Rudern @ Dresdenia Berlin
Dresdenia-Ruderer bald ohne Bootshaus?!
Wut und Enttäuschung waren bei den Mitgliedern der Ruderabteilung der SV Dresdenia Berlin zu spüren, als sie durch ihren Abteilungsvorstand Mitte Januar vom Vorhaben des Dresdenia-Gesamtvorstandes erfuhren, ihr Bootshaus nebst Grundstück an den Nachbarverein Ruder-Union Arkona zu verkaufen. Wut auf die Vorständler des Gesamtvereins über die rüde Art und das Übergehen der mehr als 165 Ruderer, Enttäuschung über die Nachbarn, "mit denen wir doch über Jahrzehnte freundschaftlich verbunden waren", wie es eine Ruderin ausdrückte.
Von Freundschaft war in dieser Angelegenheit von Anfang an wenig zu spüren. Seit August 2002 liefen die Gespräche und Verhandlungen über den Verkauf, der mit einer Summe von 720.000 Euro angesetzt war. Die Betroffenen im Nachbarbootshaus wurden weder von ihrem Vorstand noch von der RU Arkona informiert. Dass dabei alle freundschaftlichen Gefühle auf der Strecke blieben, ist nur zu gut zu verstehen. Zuletzt sahen sich alle Parteien vor Gericht wieder. Das Kammergericht Berlin hat dabei am 14. April in Sachen Ruderabteilung gegen SV Dresdenia und RU Arkona Berlin die weitere Abwicklung des Kaufvertrages untersagt. Dazwischen lagen einige unwürdige Kapitel Berliner Vereinsgeschichte. Da war zum einen eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Gesamtvereins SV Dresdenia am 30. Januar, die am Ende mit Stimmenmehrheit dem Verkauf zustimmte. Das sei doch nun alles korrekt, formulierte es dann auch Vorsitzender Harald Kussin. Doch der Verlauf der Versammlung sprach gegen die Bezeichnung "korrekt". Denn die Stimmung war aufgeheizt. Es ging nicht in erster Linie um den Erhalt oder Verkauf des Clubhauses, sondern es ging ausschließlich um bares Geld. Da wurden von Abteilungsvorständen die Mitglieder schriftlich aufgefordert, für den Verkauf zu stimmen, weil man beispielsweise allein aus den Zinsen und dem zu erwartenden Zuschuss der Dresdner Bank rund 30.000 Euro jährlich auch dazu nutzen könnte, die Mitgliedsbeiträge der Abteilungen (natürlich dann ohne die Ruderer) zu senken. Das gleiche wurde auf der Versammlung wiederholt. Bei dieser Versammlung blieb vieles auf der Strecke, was man mit dem Begriff Vereinssport verbindet: Fair play, Gemeinsamkeit, Solidarität.
Dann der Verkaufsakt selbst. Die Ruderer versuchten, den Verkauf durch eine einstweilige Verfügung zu verhindern. Sie argumentierten, Haus und Grundstück seien aus Eigenmitteln, die ausschließlich von der Abteilung aufgebracht worden seien, und zweckgebundenenn Zuwendungen gebaut und erworben worden. Doch die einstweilige Verfügung kam zu spät, denn obwohl den Beteiligten der Gerichtstermin 14. Februar bekannt war, schlossen sie am 13. Februar den Kaufvertrag ab. Die Ruderer sollten zum 30. April räumen. "Kannibalismus unter Sportvereinen" nannte das der Anwalt der Ruderabteilung, Dr. Joachim Börner.
Die Richter am Kammergericht begründeten ihre Entscheidung u.a. damit, dass der Beschluss der außerordentlichen Mitgliederversammlung vom 30. Januar und der am 13. Februar beurkundete Grundstücksverkauf zur Auflösung der Ruderabteilung führen würden. Die Mitglieder würden gezwungen, aus dem Verein auszutreten und sich einen anderen Verein zu suchen. Mit einer Unterschriftensammlung (lt. Dresdenia-Satzung müssen zehn Prozent der erwachsenen Mitglieder unterschreiben) haben Ruderer, Schwimmer, Tischtennis-, Tennis- und Schachspieler nun den Gesamtvorstand aufgefordert, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen, um eine Rückabwicklung des Kaufvertrages zu erwirken. "Wo finanzielle Ausfälle sich zusammenläppern, sollte wenigstens die Gemeinschaft erstarken", schrieb Berlins LSB-Präsident Peter Hanisch in der "Berliner Morgenpost" zu diesem Thema. Denn: "Ohne Solidarität geht in schweren Zeiten gar nichts."
Jürgen Kapsch
© Sport in Berlin 2003
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Dresdenia-Ruderer bald ohne Bootshaus?!