Rudern @ Dresdenia Berlin
Dresdenia-Ruderer bald ohne Bootshaus?!


Der große BGH und
eine kleine Ruderabteilung

oder: Warum ein Sportverein rund 440 000 Euro an Juristen verpulvert, die im Sport bestimmt besser investiert wären.


Von Jürgen Kapsch


Bootshaus Dresdenia


Wir hatten vor längerer Zeit schon einmal darüber berichtet, wie der Hauptverein SV Dresdenia Berlin e.V. mit allen Mitteln versucht, seine Ruderabteilung von ihrem Wassergrundstück zu vertreiben, um damit dann die dicke Kohle zu machen.
Das liegt Jahre zurück. Bei Dresdenia und auch bei den Ruderern haben längst neue Vorstände das Heft des Handelns in die Hände genommen. Doch das Thema ist geblieben, hat sich über Jahre durch die juristischen Instanzen geschleppt und ist letztlich beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe gelandet. Schon allein die Tatsache, dass eine kleine Ruderabteilung und sein Hauptverein als Gegner vor dem höchsten deutschen Gericht stehen, möchte man als Außenstehender in die Abteilung "Absurditäten" ablegen. Zumal da viel Geld verballert wurde, das letztendlich dem Sport verloren gegangen ist. Die Ruderer haben durch Beiträge und Spenden rund 240.000 Euro aufbringen müssen, der Hauptverein hat für rund 200.000 Euro einen Kredit aufgenommen, den er mit dem strittigen Bootshaus abgesichert hat.
Begonnen hatte der ganze Streit im August 2002, als der Nachbarverein RU Arkona beim Vorstand des Hauptvereins anfragte, ob er das Grundstück seiner Ruderer verkaufen würde. Im Dezember dann einigten sich die beiden Parteien auf einen Kaufpreis von 720.000 Euro. Und erst jetzt, nachdem vollendete Tatsachen geschaffen waren, wurden die Dresdenia-Ruderer über ihre "Enteignung" informiert. Nachdem auch die "große" Mitgliederversammlung im Eilverfahren dem zugestimmt hatte, wurden die Ruderer aufgefordert, bis April 2003 Grundstück und Bootshaus zu räumen.
Dass man sich dagegen juristisch zur Wehr setzte, ist einleuchtend. Es ging vor allem um zwei Fragen: Darf der Gesamtverein seine Ruderabteilung gegen ihren Willen einfach vor die Tür setzen, obwohl im Laufe der Jahre wesentliche Werte durch die Ruderer geschaffen wurden? Und: Ist der abgeschlossene Kaufvertrag mit der RU Arkona überhaupt gültig? Nachdem alle juristischen Instanzen mit teilweise unterschiedlichen Urteilen durchlaufen waren, landete diese Angelegenheit beim BGH.


Vor gut zwei Jahren (am 02. Juli 2007) dann das Urteil:
Die Ruder-Union Arkona trat nach diesem Urteilspruch Anfang 2008 vom Kaufvertrag zurück.
Wer nun dachte, an den Spandauer Gewässern in Berlin würde Ruhe einkehren, weil die Richter in den roten Roben eine Gasse vorgegeben hatten, in der man sich gefahrlos (wenn auch nicht emotionslos) bewegen kann, der irrte sich gewaltig. Denn obwohl kein gleichwertiges Grundstück zur Verfügung gestellt wurde - nur das würde den Bestand der Ruderabteilung sichern - zog der Vorstand gegen die Ruderabteilung vor Gericht und beantragte "die Unterlassung der Benutzung des Grundstücks". Und das sollte dann die Mitgliederversammlung des Gesamtvereins im April absegnen. Mit Beschlüssen, die zwar die Formulierungshilfe von Juristen nicht verleugnen können aber inhaltlich neben dem BGH-Urteil liegen. Außerdem wurde ein privater Käufer angekündigt, der das Grundstück für 860.000 Euro erwerben wolle.
Und nun? Im August wird das Landgericht Berlin über die Räumungsklage gegen die Ruderer entscheiden. Der Ausgang ist offen. Nur e!nes ist jetzt schon klar: Die ausgegebene Summe von rund 440.000 Euro wird sich weiter erhöhen. Ich kann grübeln wie ich will: Mit Sport, mit sportlicher Fairness hat das alles nichts mehr zu tun.

©DasRudermagazin August 2009

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Dresdenia-Ruderer bald ohne Bootshaus?!