Rudern @ Dresdenia Berlin
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Vermischtes


Wanderrudern im eigentlichen Sinne

 

Kneippsche Anwendung beim Ablegen in Duisburg-Rheinhausen

Ablegen in Rheinhausen

Die "Brücke der Solidarität" in Rheinhausen

Brücke der Solidarität

Chemiewerk am Rheinufer

Chemiewerk am Rhein

Ein Kraftwerk

Kraftwerk am Rhein

Jachthafen in Rees

Jachtahfen Rees

"Hannibal" (der orangefarbene) wartet schon

Transporter "Hannibal"

Das Einzige, was auf dieser Wanderfahrt wirklich gefehlt hat

Felix, Sebastian W., Christian F., Dennis

Dass ich jetzt am Rhein in Duisburg-Rheinhausen einen neuen Ruder-Verein gefunden habe, habt Ihr ja schon mitbekommen. Und falls Ihr noch nicht wisst, wie das hier ist, schreibe ich Euch einen Bericht. Was das mit "Wanderrudern" eigentlich auf sich hat, habe ich erst beim Ruderclub Borussia Rheinhausen so richtig begriffen.
Das Bootshaus liegt hochwasserfrei vor einem Vorflutgelände auf der linken Rheinseite. Man packt also das Boot auf einen Wagen, hinein die Skulls und den Rest und schiebt dann 500 - 800 Meter runter zum Rhein. Die Länge des Weges ist abhängig vom Wasserstand, wenn der Rhein steigt, ist der Weg kürzer. Wenn man durch den Fußmarsch schön warm geworden ist, krempelt man unten die Hosen hoch, zieht die Schuhe aus, trägt das Boot ins Wasser und sorgt auf diese Weise für eine kneippsche Anwendung zur Aktivierung des Kreislaufes.
Jeder Mediziner reibt sich die Hände über den sinnvollen Aufbau des Trainings. Die Skulls werden eingesetzt, die Abdeckungen befestigt, denn hier fährt man nie ohne. Dann setzt man sich in das Boot, trocknet die Füße, zieht Socken und Schuhe an und los geht es. Dann fahren wir 7 Kilometer flußaufwärts und das ist schon knochenhart. Zwischen den Buhnen fährt man ziemlich unter Land, da ist die Strömung nicht so stark, aber wenn man um die Buhne herum muss, um Brückenpfeiler oder ähnliches gurgelt und strudelt es, dass es eine wahre Pracht ist. 100meter-weise quetscht man sich die 7 Kilometer aus den Muskeln. Dann geht es noch über den Strom, und nach zirka 1½ Stunden legt man an einem Sandstrand an, und wandert wieder so seinen Kilometer bis zu Monika, wo man sich ein Bier und ein Frikadellchen genehmigt. Stromabwärts dauert die Reise zurück nur zirka 45 Minuten, wir heben das Boot aus dem Wasser, schieben es nach oben ins Bootshaus, und reinigen es gründlich von außen und innen, da wir beim Einsteigen im Wasser doch immer viel Sand und Kiesel mit hinein bringen, was dem Material schaden würde.

Den seinen gibt's der Herr im Schlaf

Meine erste Wanderruderfahrt auf dem Rhein, 69 Kilometer von Duisburg bis Rees. Wir treffen uns am Samstag morgen zu neunt, bringen in bewährter Manier die Boote zu Wasser, wobei die Socken und die Schuhe erst angezogen werden, wenn wir schon in der Strömung treiben können, der Sonnenaufgang hinter der "Brücke der Solidarität" verspricht einigermaßen Wetter.
Diesmal ist natürlich einiges an Bagage dabei, Proviant etc. Wir fahren einen geklinkerten B-Vierer und einen Kunststoff-E-Dreier. Die Fahrt geht vorbei an der Sachtleben-Chemie, an der Thyssen-Krupp-Stahlschmiede, an der Kookerei, am Kraftwerk Voerde, meist auf einer Seite die Industriekulisse, auf der anderen die niederrheinische Weite, viel Pappeln, Weiden, kaum Wald, Kühe und Schafe.
Die erste Pinkelpause kurz hinter Duisburg, wieder mit klassisch - rheinhausener - Aussteigen ohne Steg, dann in Wesel im Jachthafen mal mit Steg. Hier ziehen wir unsere Regensachen an und prompt fallen anschließend ein paar Tropfen.
Pausen zum Entspannen und zum Essen werden natürlich auf dem Wasser gemacht. Der Steuermann hält das Boot in der Strömung, einfacher kann man es kaum haben, den seinen gibt's der Herr im Schlaf.
Allerdings ist das Steuern hier ein verdammt wichtiger Job, um den ich mich gern drücke. Ziemlich starker Schiffsverkehr heute, ebenso der Wind auf dem Strom, der in unseren Abschnitten schon sehr breit ist, die Wellen türmen sich einen Meter hoch, richtige Wogen, die man exakt ansteuern muss. Auch muss man genau abschätzen, wann die Wellen zu hoch sind, um sie spitz zu nehmen, eine große Ladung Wasser wäre die Folge, dann wird das Boot parallel gelegt, von ferne sind nur noch die Köpfe der Ruderer zu erkennen, die komplett verschwinden, wenn es in die Auslage geht, und so fahren wir einen ziemlichen Zickzack-Kurs, unter Thomas' Obhut jedoch absolut sicher, er ist seit Jahrzehnten auf dem Rhein zuhause.
Manchmal bietet es sich an, auf dieser Breite des Stroms Biegungen abzuschneiden. Dann kann es Überraschungen geben, wenn einem nach der Biegung zwei Schiffe stromauf nebeneinander beim Überholmanöver entgegen kommen und sich von hinten stromab der leere Schubverband mit zwei Leichtern neben- und zwei voreinander naht, gefolgt von einem Containerschiff, dessen Ladung so hoch ist, dass man uns von der Brücke aus ganz sicher nicht sehen kann. Wir mittenmang, wie es nicht im Lehrbuch für Rheinsteuerleute steht. Teilweise werfen die Schiffe die Wellen schon seitlich, manche kaum welche nach hinten. Also wenn die Havel beim Wanderrudern ein bequemer, idyllischer Weg ist, dann ist der Rhein eine Mischung zwischen Autobahn und Motocross-Strecke.
Die Schiffer auf dem Rhein erscheinen mir an diesem Tag jedoch wesentlich rücksichtsvoller als die Kapitäne der Ausflugsdampfer auf der Spree.
Unser Ziel ist der Reeser Jachthafen, Ausstieg auf ganz gemeinen Kieselsteinen. Hannibal, der vereinseigene Transporter steht da mit Hänger, Thomas und Stoppi haben ihn am Vorabend hierher gebracht. Wir verladen die Boote, zirka eine Stunde Heimweg, ich bin ziemlich fertig und hoffe insgeheim auf eine Party wie damals, bei Wiking, damit beim Tanzen alles wieder schön locker wird, leider vergebens.
Andererseits: Bier bräuchte ich sowieso nicht mehr, ich schwanke noch immer im Rhythmus von Boot und Wellen, ich schwanke die ganze Nacht, heissassa, tirallala.
Ja, Wanderrudern, auch im eigentlichen Sinne macht schon Spaß.

Was fehlt?

Ob mir was gefehlt hat, bei Borussia - im Gegensatz zu Dresdenia? Tja, das ist vielleicht die falsche Frage, denn es gab ja Warm-laufen und Kneipkur, ... und Rudern, ganz wie bei Dresdenia, ... Berlin, hmm, ja, vielleicht, ... aber... doch! Bernd und Chrissi und Dennis und Felix und Frank und Franziska und Gabi und Hadi und Harry und der Kurze und Manfred und Peter und Pünktchen, und wer sonst noch dabei war von Euch, damals bei Wiking, die haben mir gefehlt und zwar heftig.

 

Susanne


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