Rudern @ Dresdenia Berlin
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Herbstabschlußfahrt der Lübecker

22. - 24. Oktober 2004

Freitag, 22.10.2004

Herbstzeitlich angezogen traf unsere Gruppe überpünktlich an der Scharfen Lanke 75 in Berlin ein. Hier sollten wir nun für drei Tage Gäste der Sportvereinigung Dresdenia sein. Nachdem man uns die Schlüsselgewalt übergeben hatte und eine etwas komplizierte Betteneinteilung glücklich zuende ging, war nur noch der richtige Direktbus zum Zoologischen Garten herauszufinden. Auch das klappte.
Das weitere Programm sah zwei Höhepunkte vor. Gemeinsames Essen in Joe's Wirtshaus zum Löwen und ein Besuch im Kabarett "Die Stachelschweine" mit dem neuesten Programm "In der Hitze der Macht". Was macht eigentlich die Macht (mit uns)? Folgen wir den Stachelschweinen in's Untergrundbahnland, denn dort findet man sich diesmal ein auf der niemals enden wollenden Suche nach den Flachzangen und Dünnbrettbohrern, den kleinen und den großen Sündern und Bescheissern, den Millionären und Pennern, den Ärzten und Patienten. Oder, wenn wir die gefürchteten zehn Euro nicht dabei haben? Macht nichts. Der Blinddarm kommt raus. Wie? Wird nicht verraten. Wir erfahren es in 3. - 28. Stufe der Gesundheitsreform. Wo waren die 2einhalb Stunden geblieben?

Sonnabend, 23.10.2004

Schlafgeräusche, Selbstgespräche und Betten, die Geräusche machen als wenn eine Schiebkarre mit Kies ausgekippt wird, sorgten für Abwechslungen in der kurzen Nacht.
Eine mit herbstlichem Blumenschmuck dekorierte Frühstückstafel im großen Saal war dann die nächste angenehme Überraschung. Und alles von den Kameradinnen der Sportvereinigung Dresdenia arrangiert, denn das Bootshaus ist zur Zeit ohne Bewirtschaftung.
Es war unser Wunsch, dass ein Doppelachter von den Frauen gerudert wird und die Männer einen Riemenachter fahren. Es hat auch mit zwei kleinen Abweichungen funktioniert. Nur beim Bootedrehen kam es zu einem bedauerlichen Fauxpas. Das Kommando "Offene Seite Arkona" war so rausgerutscht und auch gleich wieder einkassiert. Seitdem hatten wir keine Probleme mehr mit dem Kommando "Offene Seite Heerstraße".
Bei frischem Gegenwind und entsprechenden Wellen waren die Achtersteuerleute doch schon sehr gefordert. Sehr viele Segelregatten hatten ihre Reviertonnen kreuz und quer auf der Havel verteilt und wir konnten spannende Rennen beobachten. Nur Motorboote waren an diesem Tag die Ausnahme. "Guten Morgen Kaiser Wilhelm", "Guten Morgen Herr Lehmann" und einer sagte sogar "Hoch lebe die Demokratie". Gemeint war damit unsere Ehrerbietung an den zum Gedächtnis Kaiser Wilhelm I 1897 erbauten Grunewaldturm. Man muss aber total in der Flucht zum Turm rudern. Die ganz genaue Position hat man, wenn man am rechten Havelufer eine Marina sieht auf der sich ein graues, viereckiges Portal der Slipanlage befindet. Man lernt nie aus! Dann im Schutz von Schwanenwerder konnten wir uns auf die Fahrt durch das Nadelöhr konzentrieren. Puh, gutgegangen und wieder starker Wellengang auf dem Großen Wannsee. Es wurde erst nach der Durchfahrt durch die Wannseebrücke wieder richtig ruhig und es kam schon mal die Frage nach dem Mietpreis pro Quadratmeter beim Anblick der Villen. Erst als wir Potsdam sehen konnten und durch die Glienicker Brücke fuhren, begann es zu regnen. Auch hier wieder eine Segelregatta rund um die Pfaueninsel. Aber an der Fährseite waren wir dann beim Rudern schneller. Die Kantine beim Ruder-Klub "Welle-Poseidon" wird von einer Asiatin bewirtschaftet. Wiener Würstchen und Bockwurst wurden von ihr kräftig verwechselt, aber dass da auch noch Durst eine Rolle spielte, hatte man ihr schon beigebracht. Sie hat sich dann tapfer durch die Bestellungen gekämpft und die kleine Speisekarte wurde als nichtig erklärt, trotzdem es immer wieder welche versuchten, Currywurst mit Pommes zu bekommen.
Noch einmal durch das Nadelöhr und quer rüber nach Breitehorn. Ein paar Wellen wollten unbedingt in die Boote, aber keiner war beunruhigt. Die Verabschiedung beim Kaiser wurde nicht vergessen.
Unser Wunsch nach einem Berliner Büfett blieb an der Scharfen Lanke 75 nicht ungehört. Es war einfach da. Salate, Hackepeter, Griebenschmalz, Käse, eben alles was ein Berliner so zum Abendbrot liebt, gab es bis zum Abwinken. Zum Fassbier sogar noch heißen Punsch. Als dann noch ein stadtbekannter Schuhmachermeister statt 4,00 Euro 100,00 Euro für sein Abendessen bezahlte, war das Büfett für alle anderen schon fast bezahlt. Danke Senkel! Nur Quasi und Gaby hatten mit der folgenden Buchhaltung richtig stark zu kämpfen.

Sonntag, 24.10.2004

Für den Sonntag als Tag des Abruderns war strahlender Sonnenschein bei sommerlichen Temperaturen bestellt worden. Richtig profihaft ist die Bestellung auch in Erfüllung gegangen. Einer brauchte mindestens 30 Kilometer, eine andere mindestens 36 Kilometer, vielen war es egal, aber auch auf Sonderwünsche wurde penibel Rücksicht genommen. Es gab auch Gründe, Gaby hat ihre 2000 Kilometer vollgemacht und unser Jochen war bei 1000 Kilometer angelangt. Ausgegeben hat er keinen.
Zur Kaffeetafel, bei der es auch noch reichlich Reste vom Berliner Büfett gab und sogar heiße Würstchen, war der Saal voll. Sogar Fritzi und Kurt waren gekommen. Das beherrschende Thema, das auch am Vorabend immer in den Mittelpunkt rückte, war die Übernahme der Dresdenia-Immobilie durch die Ruder-Union Arkona. Dieser unsportliche Vorgang war der Anlass von gerichtlichen Auseinandersetzungen, die mittlerweile schon Gesamtkosten einer fünfstelligen Summe verursachten. Am Mittwoch nach unserer Abreise sollte dann der nächste Termin beim Kammergericht (Oberlandesgricht in Schleswig-Holstein) sein, ist aber dann auf den 15. November 2004 verschoben worden, weil sich die Richter bei der Schwemme der Beweismittel terminlich überfordert sahen.
Der 1. Vorsitzende Dr. Hans-Dieter Würger (Hadi) brachte alles noch einmal sehr bewegt in seiner Ansprache zum Ausdruck. Wir haben gesagt, dass wir beide Daumen drücken und es auch getan. Erst mal vergeblich, aber dann am 15.11.2004 besonders.
Schrecklich der Gedanke, dass Verbundenheit und Freundschaft mit den Dresdenen gestört sein könnte, weil der Verein aufgelöst wird und sich unsere Freunde in alle Himmelrichtungen zerstreuen. Wir hoffen, dass wir noch sehr lange in die Scharfe Lanke 75 kommen dürfen, und zwar bei der Sportvereinigung Dresdenia.

 

Norbert Kays, Lübecker RG


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