Rudern @ Dresdenia Berlin
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Schnupper-Rudern 2002

Schüler der Wilhelm-Maybach-Oberschule besuchen Dresdenia

Die Klasse 8.5 mit dem Initiator Herrn Bartelt (Klassenlehrer)

Gruppe

Mutiger Schülerinnendreier mit fachkundiger Erweiterung zum Vierer

Steg

Bodenturnen auf der Havel

Kanu

Anschließend Grillen und gemütliches Beisammensein, Herr Prill hilft mit

Sitzen
 

Auslöser für den Besuch der Klasse 8/5 der in der Nähe gelegenen Maybach-Oberschule beim Ruderclub Dresdenia war ein eher zufälliges Zusammentreffen des Klassenlehrers mit dem Vorsitzenden der Dresdenia-Ruderabteilung am 15. Juni 2002, als Spandauer Sportvereine sich unter der Schirmherrschaft der AG Sport des Bezirksamtes Spandau auf dem Gelände der Maybach-Oberschule an der Jaczostraße und speziell die Wassersportvereine sich an der Uferpromenade an der Scharfen Lanke der Öffentlichkeit präsentierten. Als besondere Attraktion war ein Experiment angekündigt, bei dem ein Ruder-Achter allein mit der Power seiner Mannschaft einen Wasserskiläufer hinter sich herziehen sollte. Das interessierte mich und deshalb mischte ich mich unter die Schaulustigen, die das miserable Wetter nicht abschrecken konnte. Das Experiment - sicherlich zuvor einige Male geübt - funktionierte beim zweiten Mal ganz beachtlich und die Zuschauer applaudierten. Unter diesen Schaulustigen war auch Frau Lorenz, eine Sportkollegin von unserer Nachbarschule und zugleich förderndes Mitglied beim Ruderclub Dresdenia, nebst Herrn Dr. Würger, dem Vorsitzenden und Ruder-Experten. Man kam lose ins Gespräch, unter anderem auch zum Thema "Schulklasse besucht Verein am Wandertag", was Frau Lorenz schon mehrfach praktiziert hat und es ergab sich die Frage, ob ich denn nicht auch Lust hätte, mit einer Klasse an einem Proberudern teilzunehmen.
Ich konnte keine verbindliche Zusage machen, weil ich zu diesem Zeitpunkt keine Klasse hatte und erst einmal das Feedback bei den Schülerinnen und Schülern meiner jetzigen Klasse abwarten wollte. Für alle Fälle hatte ich schon mal die Visitenkarte von Herrn Dr. Würger und, als nach den großen Ferien der 19. September 2002 als erster Wandertag an unserer Schule feststand, nahm ich Kontakt zu Herrn Dr. Würger auf. Sehr viel Zeit für die Vorbereitung des "Schnupper-Kurses" war nicht mehr geblieben. Doch Herr Dr. Würger schaffte es in Kürze, eine gute Hand voll Schüler, die ruderkundige aktive Mitglieder beim Ruderclub Dresdenia sind, über entsprechende Beurlaubungsgesuche für diesen Tag vom Unterricht zu befreien. Das erwies sich sehr bald als eine sehr kluge Maßnahme, denn so war der Kontakt auf etwa gleicher Altersebene sehr schnell hergestellt. Hinzu kamen einige Erwachsene, die sich extra für uns frei genommen oder den Tag irgendwie frei gehalten haben, sodass Dresdenia ausreichend "Personal" für die fachkundige Anleitung und Betreuung der 29 Schülerinnen und Schüler der Klasse 8/5 bereitstellen konnte. Das war aber noch längst nicht alles, was Dresdenia uns dankenswerterweise zu bieten hatte. Es war auch für Grillwürste und ausreichend Getränke Vorsorge getroffen worden und alles zu einem sehr fairen Preis. Selbst darüber hat sich nicht ein Schüler oder ein Elternteil beschwert, was heutzutage etwas heißen will. Im Laufe des Tages haben dann, um dies vorwegzunehmen, Frau Frieben, wohl eine der guten Seelen des Vereins, und mein Kollege M. Prill, unablässig und mit viel Engagement für das leibliche Wohl der Schülerinnen und Schüler gesorgt. Als wir gegen 9 Uhr von Herrn Dr. Würger auf dem herrlichen Gelände des Ruderclubs Dresdenia in Empfang genommen wurden, da strahlten nicht nur meine Schülerinnen und Schüler, sondern auch die Sonne und das den ganzen Tag. So war es keine Frage, dass wir unbeschwert aufs Wasser gehen konnten, getreu dem Motto: "Das Wetter wird im Bootshaus festgelegt."
Nun konnten wir als Erstes unser "Klassenzimmer" im Freien aus Klapptischen und Klappbänken, die uns der Club zur Verfügung gestellt hatte, herrichten.
Schon das war eine Gaudi: Unterricht unter freiem Himmel mit Exklusivblick auf die Havel. Herr Dr. Würger stellte uns zunächst den Verein sowie die anwesenden Mitglieder vor, u. a. den Jugendwart Dennis K., der, wie zu erfahren war, vor 12 Jahren selbst als Schüler dort stand, wo meine Klasse heute stand, und schließlich über eine solche Veranstaltung den Weg zu einer langfristigen Verbindung mit Dresdenia gefunden und dies nicht bereut habe, ganz im Gegenteil. Dann gab es noch einen kleinen Einblick in die Materialkunde, von Rennbooten aus Kunststoff und geklinkerten Holzbooten war die Rede sowie von den verschiedenen Bootsklassen. Dass es auch Dreier- und Fünferruderboote gibt, war den meisten von uns neu. Doch als uns die Preise einiger Ruderboote genannt wurden, da blieb einigen der Mund offen stehen. Dieser Hinweis hatte, sofern er überhaupt in diese Richtung abzielen sollte, zur Folge, dass alle ganz vorsichtig und behutsam und dem gebührenden Respekt mit dem Bootsmaterial umgingen, niemand auf den auf dem Steg aufliegenden Rudern herumtrampelte, zum Einsteigen die dafür vorgesehenen Sitz- und Bodenbretter benutzte und niemand auf die empfindlichen Bordwände trat. Die Frage, wer denn überhaupt Lust habe und wer zuerst rudern wolle, hätte sich der Trainer fast sparen können, denn die Nachfrage war überwältigend, und da nicht alle zugleich aufs Wasser gehen konnten, war es gut, dass wir Tischtenniskellen mitgebracht hatten, wie es verabredet war, und diejenigen, die auf einen freien Platz in einem Ruderboot (zumeist Wandervierer) warten mussten, die Zeit und das schöne und auch noch windstille Wetter zum Tischtennisspielen nutzen konnten.
Unter der ruhigen, entspannten und hochkompetenten Anleitung von Herrn Dr. Würger konnte nun eine Gruppe nach der anderen erste Ruderversuche unternehmen, wobei stets ein Vereinsmitglied am Steuer saß und ein zweites auf Schlag. In den "Spitzenzeiten" waren bis zu 6 Boote gleichzeitig auf dem Wasser und es herrschte, wie meine Schüler zu sagen pflegen, "so richtig Action".
Die mutigsten Schüler trieb es dann auch mal in ein Skiff. Da hatten die an Land gebliebenen lästerfreudigen Stegbelagerer bei so mancher Wackelpartie der Skiffaspiranten ihre helle Freude, aber Grund zur Schadenfreude gab es nicht, denn immer, wenn es für den Skiffer brenzlig wurde, kam von Herrn Dr. Würger die rettende Anweisung: "Beide Ruder in der Mitte vor dem Körper mit einer Hand festhalten!", und im Nu war das Boot in einer stabilen Wasserlage.
Tobias Frieben von der Sport-Vereinigung Dresdenia zog dann alle Aufmerksamkeit auf sich mit einer akrobatischen Einlage. Er führte uns einen Kopfstand im Skiff vor, was seitens meiner Schüler vorsichtshalber nur Nachahmung an Land fand.
So verging die Zeit an einem wunderschönen Wandertag, begünstigt vom Wetter, wie im Fluge und nicht ein Schüler hatte vorab gefragt, wann er denn endlich nach Hause gehen könne, was zugegebenermaßen im Schulalltag recht selten vorkommt. Einige Schülerinnen hatten gar nicht genug bekommen können und gestanden, dass sie insgesamt siebenmal aufs Wasser gegangen seien, bis wir dann kurz nach 15 Uhr offiziell Schluss machten, ja machen mussten, denn die Jugendlichen des Vereins trafen peu à peu zu ihrem Training ein. Einige Schülerinnen und Schüler haben sich spontan entschlossen, nun auch in ihrer Freizeit zu Dresdenia zu kommen und am Jugendtraining Donnerstagnachmittag und Samstagmittag teilzunehmen.
Als Klassen- und Sportlehrer würde ich mir wünschen, dass der eine oder andere Schüler bzw. die eine oder andere Schülerin auf diese Art und Weise den Weg in einen Sportverein findet, dazu noch in einen mit einer so attraktiven, naturverbundenen Sportart. Ich bin überzeugt, dass dieser Tag den Schülern meiner Klasse noch lange in Erinnerung und natürlich in positiver Erinnerung bleiben wird, und ich denke ferner, dass hier ein nachahmenswerter Beitrag zum Thema "Kooperation Schule - Verein" geleistet worden ist, und ich sehe Perspektiven, diese Zusammenarbeit fortzusetzen und zu vertiefen.

 

Harro Bartelt (Klassenlehrer)

 

Die Fotos stammen von der Homepage der Wilhelm-Maybach-Oberschule "www.wmo.cidsnet.de".


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