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Ein "ganz normaler Sonnabend" II

Ersatzfahrt fürs Berliner 24-Stunden-Rudern

die Glienicker Brücke ist nur durch eine aufwändige Nachbearbeitung "erkennbar"

die Glienicker Brücke im Nebel

die beiden Sebastians als Touristen

die Sebastians auf der Glienicker Brücke

Sonnabend, 03.08.2002

Fürs diesjährige 24-Stunden-Rudern wollten wir zwar gesundheitsbedingt keine Mannschaft melden, waren aber dennoch wild entschlossen, mal wieder eine längere Tour zu machen. Geplant war die Werder-Umfahrt in gemütlicher Geschwindigkeit mit Rückkehr pünktlich um 12 Uhr zum Jugend-Rudern; eine Frühstückspause sollte auf dem Wasser stattfinden, sobald wir beim Essen die Teilnehmer der "längsten Regatta der Welt" an uns vorbeiziehen sehen konnten.
Gesagt - getan. Der Kurze hatte um Mitternacht Feierabend und traf gegen 1 Uhr morgens im Bootshaus ein. Der Lange und ich erwarteten ihn bereits mit einem "Startbier" und schon eine halbe Stunde später legten wir ab. Endlich mal ruhiges Wasser, keine Motorboote, keine Berufsschifffahrt und annähernd sternenklarer Himmel. In rasender Geschwindigkeit passierten wir ordnungsgemäß erleuchtet mit unserer "Dahme" Breitehorn, Imchen und die Pfaueninsel. Auf dem Jungfernsee warfen wir im aufziehenden Nebel einen flüchtigen Blick auf die Glienicker Brücke und rauschten weiter gen Ketzin.
Bereits unter der gut beleuchteten Nedlitzer Straßenbrücke ruderten wir in reichlich dicker "Suppe" und auf dem Weißen See zwischen Neu Fahrland und Nedlitz standen wir in einer weißen Wand. Auch mit ausgeschalteter Beleuchtung waren weder irgendwelche Lichter noch das Ufer zu sehen. Lampe aus - schwarze Wand. Lampe an - weiße Wand. Nach einer Denkpause mit "Einen-über-den-Ausleger-hängen" beschlossen wir, uns vorsichtig zurückzutasten und Werder nicht über den ländlichen Sacrow-Paretzer-Kanal, sondern auf dem etwas urbaneren Weg durch Potsdam anzusteuern.
Zurück ging's gen Osten, der noch nicht aufgehenden Sonne entgegen. Auf dem Jungfernsee waren wir dann offensichtlich zum ersten Mal in dieser Nacht nicht die einzigen Menschen im näheren Umkreis - unser Drogenspür-Koch erkannte jedenfalls auf Anhieb, dass der von Zeit zu Zeit süßliche Geruch der uns umwabernden Nebelschwaden eindeutig durch die Verbrennung einer (nicht-nur-)Nutzpflanze mit markant gezackter Blattform hervorgerufen wurde. Völlig unberauscht tasteten wir uns weiter vorwärts, immer wieder Horchpausen einlegend, um die Königsstraße (B1), die über die Glienicker Brücke führt, zu erhören. Über eine Stunde nach unserer Umkehr erreichten wir dann doch noch die verschollen geglaubte Glienicker Brücke. Genauer gesagt, standen wir plötzlich direkt davor - um halb fünf ist halt noch kein Verkehr da, den man hätte hören können. Wir legten hinter dem Dampfersteg an und machten einen auf Tourist. Die so oft durchruderte Glienicker Brücke bei Nacht und Nebel - das hat auch mal was. Die verwunderten Blicke der ersten Autofahrer dieses Morgens, die uns beim Frühstück sahen, waren uns jedenfalls gewiß. Gegen 6 Uhr hörten wir die 24-Stunden-Ruderer in einiger Entfernung, sehen konnte man sie noch immer nicht. Kurze Zeit später machten wir uns trotz Tageslicht bei gleichbleibend schlechter Sicht wieder auf den Heimweg; natürlich nicht auf dem direkten Weg, die "Große Umfahrt" sollte es wenigstens noch sein.
Ich durfte als Ältester und als ausgewürfelter Obmann steuern, da der Kurze keine Verantwortung mehr übernehmen wollte und der Lange als (knapper) Rekordhalter mit mittlerweile 26 Stunden ohne Schlaf bereits Brücken und Häuser zu sehen glaubte, wo es keine gab. Auf dem Griebnitzsee orientierten wir uns an den Backbord- und Steuerbord-Tonnen, auf dem Wannsee an denen des Strandbads. Hinter dem Nadelöhr lichtete sich dann der Nebel und wir hatten dort, wo wir uns ohnehin mit verbundenen Augen zurechtfinden, wieder Sicht. Heiß wurde es außerdem.
Zuhause im Bootshaus angekommen (laut Fahrtenbuch war es 9 Uhr gewesen) warfen wir die "Dahme" auf einen Bock und uns auf die Wiese. Kurz vor 12 Uhr wurden wir von den Jugendlichen geweckt. Wir hatten uns im Schlaf einen tierischen Sonnenbrand eingefangen. Nach dem Jugendrudern trennten wir uns voneinander und beendeten diesen ganz normalen Sonnabend.

 

Bericht von Dennis


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