Rudern @ Dresdenia Berlin
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Mit der Barke um Berlin

Fahrtenbericht unserer Gäste aus Hamburg

 

Wer kennt nicht den "Alten Fritz"? Nach dem preußischen König hat der Ruder-Club Tegelort eine sehr praktische Barke benannt. Dieses Boot hatten sich im Juni des Jahres 11 Ruderinnen und Ruderer aus Hamburg und Berlin (HRC, Dresdenia, Saffonia Berlin und DHuGRC) ausgeliehen. Man kann sich leicht ausrechnen, dass neben dem Dauer-Steuermann 2 Ruderinnen oder Ruderer Kielschweine waren, was bei dem überwiegend guten Wetter auch kein Problem war.

Sonnabend, 22.06.2002

Übernachtet wurde 5mal bei der SV Dresdenia und 3mal bei der RG Rotation Berlin. Am Tag unserer Ankunft feierte die SV Dresdenia ihr Sommerfest. Der Vorstand lud uns herzlich ein, an dem Sommerfest teilzunehmen. So genossen wir bei herrlichem Sommerwetter einen wunderschönen Abend an der Havel.

Sonntag, 23.06.2002

Der nächste Tag war für die Besichtigung der alten und neuen Hauptstadt vorgesehen. Berlin hat sich seit der Wiedervereinigung sehr verändert; ein Tag reicht gerade, um einen groben Überblick über die vielen Veränderungen zu erhalten. Da die Interessen der Gruppe unterschiedlich waren, teilte man sich auf. Es war aber schon sehr erstaunlich, dass wir uns ohne Verabredung immer wieder trafen. Ist Berlin doch nur ein Dorf?

Montag, 24.06.2002

Am Montag begann dann der Ernst des Lebens. Wir übernahmen in Tegelort die Barke. Wenn wir die Ruderfahrt wenige Wochen später durchgeführt hätten, wäre die erste Etappe auf der Havel von Tegelort zur SV Dresdenia nur sehr kurz gewesen. Da aber die Spandauer Schleuse trotz mehrjähriger Bauzeit noch nicht ganz fertig war, mussten wir einen Umweg über den Hohenzollernkanal, den Westhafenkanal und die Spree in Kauf nehmen.
Nach dem ersten Rudertag verbrachten wieder einen sehr gemütlichen Abend bei der SV Dresdenia.

Dienstag, 25.06.2002

Dienstag ging es auf der Havel - vorbei an der Pfaueninsel und unter der berühmten Glienicker Brücke hindurch - zur Potsdamer Rudergesellschaft am südwestlichen Rand von Potsdam. Dort befinden sich auch das Landes-Leistungszentrum und ein Olympia-Stützpunkt für das Frauen-Rudern. Somit war dort alles anzutreffen, was für den Leistungssport erforderlich ist, aber zu unserer Überraschung war für den passiven "Sport", nämlich das Fernsehen, keine Einrichtung vorhanden. An diesem Nachmittag fand das Fußball-Weltmeisterschaftsspiel Deutschland gegen Südkorea statt. In der Nähe wurde das Spiel aber in einem Sportstadion auf einer großen Leinwand übertragen, sodass wir den mühevollen Sieg der deutschen Mannschaft zusammen mit Hunderten von Schülern erleben konnten.
Auf dem Weg zurück zu unserem Quartier bei der SV Dresdenia wurde in einer alten Spandauer Brauerei zu Abend gegessen.

Mittwoch, 26.06.2002

Der Mittwoch war sehr schweißtreibend. Auf der Havel - vorbei an Potsdam und Babelsberg - sowie auf dem Griebnitzsee herrschten noch angenehme Temperaturen, doch dann begann der schier endlose Teltowkanal in Richtung Osten. Bei brütender Hitze wurde immer häufiger nach der Wasserflasche gegriffen. Über 30 Kilometer lang (durch die Stadtteile Zehlendorf, Steglitz, Lichterfelde und Tempelhof) gab es weder ein Gartencafé noch einen Biergarten. Hier machte es sich besonders bemerkbar, dass eine Barke eigentlich nur auf einem Fließwasser ein ideales Boot ist. Bei stehendem Gewässer ist die Barke doch sehr mühsam zu bewegen.
Wir waren froh, als wir endlich unser Tagesziel, die RG Wiking, erreicht hatten. Die RG Wiking hatte das große Glück, dass ihr altes Bootshaus einem Autobahnbau weichen musste und sie deshalb ein sehr schönes neues Bootshaus erhielt.

Donnerstag, 27.06.2002

Am Donnerstag war nur eine kurze Ruderstrecke vorgesehen, weil wir das Quartier wechseln mussten und den Abend für Kultur vorgesehen hatten.
Nachdem wir den restlichen Teil des wenig reizvollen Teltowkanals bewältigt hatten, kamen wir wieder in eine landschaftlich schönere Gegend, nämlich die Dahme mit der berühmten Regattastrecke Grünau. Kurz dahinter lag bereits das Bootshaus der RG Rotation Berlin am Langen See. Dieses Bootshaus, das unser Quartier für die restlichen 3 Nächte war, strahlt noch den Charme der 50er Jahre aus. Da die Vereinsmitglieder das Bootshaus noch in diesem Jahr an einen anderen Verein (den früheren Eigentümer) zurückgeben müssen, war in den letzten Jahren verständlicherweise nicht mehr viel investiert worden. Auch dort wurden wir wieder sehr freundlich aufgenommen.
Am frühen Abend ging es in den Friedrichstadt-Palast, wo uns eine glanzvolle Revue "Wunderbar, die 2002. Nacht" geboten wurde.

Freitag, 28.06.2002

Der Freitag war landschaftlich und ruderisch besonders abwechslungsreich. Nachdem wir über die Dahme, den Seddinsee, den Gosener Kanal, den Dämeritzsee und die Spree den Großen Müggelsee erreicht hatten, mussten wir uns kräftig in die Riemen legen. Der Westwind sorgte dafür, dass auf dem Müggelsee hohe Wellen waren, gegen die wir ankämpfen mussten. Hier war es von großem Vorteil, dass wir eine Barke hatten. In einem normalen Wanderboot hätten wir bei diesen Wasserverhältnissen große Probleme bekommen. Wir waren sehr froh, als wir endlich die Müggelspree erreicht hatten. Auf der sehr viel ruhigeren Spree ging es dann noch bis zum Treptower Ruderclub. Nach der Rückkehr in die RG Rotation wurde noch ein sehr feuchtfröhlicher Abend verbracht.

Sonnabend, 29.06.2002

Sonnabend war unser letzter Rudertag. Auf der Spree und dem Landwehrkanal ging es vorbei an dem neuen Potsdamer Platz mitten durch einen Teil der Berliner Innenstadt. Das größte Problem auf dieser Etappe, nämlich ein Anlieger für die "Pipi-Pause", wurde durch Barbara gelöst. Sie wusste aus Erfahrung, dass man wunderbar in der Nähe einer Berliner Klinik anlegen konnte und die Toiletten dieser Klinik (inoffiziell) benutzen durfte. Nachdem dieses große Problem gelöst war, konnten wir erleichtert den restlichen Teil unserer Reise antreten. Über den Landwehrkanal, die Spree und einen Verbindungskanal erreichten wir wieder den Westhafenkanal und den Hohenzollernkanal, die wir bereits am ersten Tag unserer Tour befahren hatten. Wenige Kilometer auf der Havel bis zum RC Tegelort schlossen unsere Tour um und durch Berlin ab.
Nachdem wir die Barke gereinigt hatten, stärkten wir uns in einem Restaurant in Tegelort, bevor wir die letzte Fahrt (wie immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln) zurück zur RG Rotation antraten.
Am Sonntag hieß es früh Abschied nehmen von Berlin, denn wir mussten zum Fußball-Endspiel Deutschland gegen Brasilien wieder zu Hause sein. Da die meisten Autofahrer sich bereits vormittags auf das Spiel vorbereiteten, kamen wir sehr schnell voran und saßen rechtzeitig vor dem Fernseher, um die 0:2-Niederlage mit zu erleben.
Abschließend ein Dank an die beiden "120jährigen", die trotz ihres hohen Alters die Fahrt wieder einmal gut organisiert hatten.

 

R. Garber


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