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Rollsitz-Paulchen berichtet ...
... vom anderen Ufer

 

Im Juni 2001 fand in Grünau die erste Ruder-Regatta nur für Homosexuelle statt - jedenfalls vermutet Paulchen das, denn besagte Regatta wurde zwar angekündigt, aber hinterher war noch nicht einmal in der Fachpresse etwas über die Ergebnisse zu erfahren.
Jedenfalls wissen wir Ruderer nun trotz aller Bemühungen der Veranstalter der "queerSchlag"-Regatta noch immer nicht, wer die schnellsten schwulen bzw. lesbischen KameradInnen sind - Paulchen ist das auch egal. Nicht, dass er intolerant wäre - ganz im Gegenteil, Paulchen hat noch nie gefragt: "Welche Heteros trinken denn jetzt noch ein Bier mit mir?" - aber man sollte doch vermuten, dass Ruderer tolerant genug sind, RuderInnen nicht danach zu beurteilen, ob sie mit ihren jeweiligen GeschlechtsgenossInnen nur Dusche und Umkleide oder noch ganz andere Dinge teilen.
Also soll an dieser Stelle die Frage nach dem Sinn und Zweck der ganzen Aktion gestellt werden. Bei behinderten Kameraden ist die Sache klar: Sie würden sich aufgrund ihrer körperlichen Einschränkungen vermutlich vergeblich um eine Medaille bemühen, also veranstalten sie ihre eigenen Rennen. Während aber eine Behinderung, das Gewicht oder der Genus eines Menschen (es lebe der hautenge Einteiler!) ein relativ einfach zu bestimmendes Merkmal ist, so gilt dies nicht für die sexuelle Orientierung - frei nach dem Motto: "Bei der Meisterschaft versagt? - Komm' zur Homo-Regatta!". Rudern also Homosexuelle langsamer als andere Ruderer? Das glaubt Paulchen nicht.
Bleibt noch die Möglichkeit, dass für mehr Akzeptanz geworben werden sollte, wie es allerorten als solche bezeichnete Randgruppen jeglicher Art tun. Dann sollte man aber darüber nachdenken, ob nicht offene Türen eingerannt und künstliche Differenzen erzeugt wurden, denn "Akzeptanz durch Abgrenzung" hat schon in anderen Sportarten nicht funktioniert, wo sich ethnische Gruppen zu eigenen Vereinen zusammengeschlossen haben und sich dadurch eigentlich nur isoliert haben - war das etwa das Ziel? Auch das kann Paulchen sich nicht vorstellen.
Aber sei's drum, vielleicht gibt es auch einfach nur zu wenige zweckfreie Regatten, so dass wir uns dann im nächsten Jahr alle auf der "nette-hübsche-Blondinen-suchen-Steuermann"-Regatta sehen werden (denn die will Paulchen auf keinen Fall verpassen). Bis dahin kommt gesund durch den Winter,

 

Euer Paulchen


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