Rudern @ Dresdenia Berlin
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Mein erster Gedanke an diesem Samstagmorgen galt dem Radio, besser gesagt, dem Wetterbericht. Gespannt lauschten Dennis und ich der Vorhersage, und was soll ich sagen, mein Wunsch ging in Erfüllung. Das ganze Wochenende hatten wir strahlend blauen Himmel und keinen Tropfen Regen. Die Fahrt nach Werder zur Baumblüte war meine erste Tour als Fahrtenleiterin, und so wollte ich den Kameraden natürlich mit gutem Wetter für ihre Beteiligung danken.
Überaus motiviert ging es per Chauffeurservice des Kurzen in den Verein, wo Franziska und Zeno schon eingetroffen waren. Nach wohlüberlegter Umzieh– und Einpackprozedur gesellten sich auch Chrisi und Pünktchen zu uns auf den Bootsplatz. Fast komplett, trat schon die Frage auf, wie denn die Bootseinteilung sei. Zum ersten Mal war dies meine Aufgabe. Ich ließ mich von Dennis kurz beraten und traf dann eine Entscheidung, die glücklicherweise keinen Widerspruch erzeugte.
Mit den vollgepackten Booten "Dahme" und "Berlin" ruderten wir gemeinsam mit dem etwas verschlafenen Andi los. Die Erwachsenen, die sich zu diesem Zeitpunkt auch im Verein aufhielten, winkten uns zum Abschied. Mit ihrem Segen bewegten wir uns in Richtung Nadelöhr und weiter zu Asterix, wo wir unsere erste Pause einlegten. Wir beobachteten das rege Treiben auf dem Kleinen Wannsee, wo die Schülerruderriege an diesem Vormittag stark vertreten war. Genug vom Zusehen, schwangen wir uns in die Rollsitze und machten erst wieder am Seekrug auf dem Templiner See eine Pause. Dort genossen wir die Sonne und den Rest unserer Fresspakete. Nachdem die herannahenden Wellen uns aber von unten durch den Steg anspritzten, fühlten wir uns aufgefordert, weiter zu ziehen. Wir traten den letzten Teil unserer Reise über den Templiner See, den Petziensee und den Schwielowsee nach Werder an. Die letzten Meter gehörten zu den schönsten, nicht nur, weil es die letzten an diesem Tag waren, sondern auch, weil Werder vom Wasser aus schön anzusehen ist.
Im Ruderklub Werder angekommen, trugen wir unter der scharfen Beobachtung der Schaulustigen die Boote zu Land. Diese Prüfung mit Bravour bestanden, hieß es erst einmal warten, warten und nochmals warten. Nach über einer Stunde etwa, erschien unser Ansprechpartner vor Ort, der uns den Schlüssel für die Sanitäranlagen und die Umkleide hinterließ. Wir stellten unsere Sachen unter, warfen uns in Zivilkleidung, natürlich mit Vereinskleidung gemixt, und machten uns auf in das Getümmel.
Wir schlugen den gewohnten Weg ein und kauften bei dem Händler unseres Vertrauens den berühmten Werder-Wein. Zufrieden über die gleich gebliebene Qualität des Weines machten wir uns auf Nahrungssuche. Der Appetit auf "totes Tier" machte sich breit, der nach geraumer Zeit gestillt wurde. Satt und glücklich peilten wir unseren Stamm-Garten an, wo wir uns nicht, wie in den Jahren zuvor, stundenlang aufhielten, sondern relativ schnell wegen zunehmender Kälte wieder verschwanden. Ruderer oder andere bekannte Gesichter hielten uns hier leider auch nicht fest. Wir verabschiedeten uns von Andi, den die Arbeit zurück nach Berlin trieb.
Glücklicherweise war es auf den Straßen nicht so voll wie letztes Jahr. Wir kamen problemlos überall hin, unter anderem auch an den Rummel, wo wir einen Auto-Scooter entdeckten. Die Jugend, Franzi und ich kauften uns gleich mehrere Fahrten und stürzten uns auf die Autos. Wie von einer Tarantel gestochen rasten wir aufeinander zu und sorgten so für einen Crash nach dem anderen, während Dennis und der Kurze das Treiben lieber vom Rande der Bahn aus beobachteten. Wir hatten riesigen Spaß, auch wenn sich der eine oder andere von uns sich das Knie oder andere Körperteile stieß. Beflügelt begaben wir uns auf die Insel zurück und statteten dem "Colonial Café" einen Besuch ab. Ganz stilvoll verzehrten wir hier unter anderem den englischen Cider.
Je nach Müdigkeitsgrad begaben wir uns in den Ruderklub Werder zurück. An Zelte aufbauen war zu dem Zeitpunkt nicht mehr zu denken, deshalb bauten wir unser Nachtlager spontan in der stark nach Schweiß riechenden Umkleidekabine auf. Der Kurze, dem es dort zu eng, beziehungsweise zu voll war, trieb es nach draußen zu den Booten. Wie ein Wachhund ließ er sich dort nieder und mummelte sich eng in seinen Schlafsack ein, wie er mir am nächsten Morgen erzählte.
Die Nacht gut überstanden, packten wir unsere Habseligkeiten zusammen und betrieben kurze Katzenwäsche. Danach setzten wir uns an den gedeckten Frühstückstisch des Viktoria Sport Cafés. Bei Tee, Brötchen und Honigmelone wurden auch die letzten Geister unter uns geweckt.
Zurück im Ruderklub beglichen wir unsere Schulden bei unserem ansässigen Ruderkameraden und warteten anschließend auf Nepomuk, der an Stelle von Andi gen Heimat rudern wollte.
Bei anfänglich starkem Wind begaben wir uns auf die Wublitz und weiter auf den Sacrow-Paretzer-Kanal, wo wir verzweifelt auf der Suche nach einem geöffneten Lokal waren. Leider wurden wir nicht fündig, sodass wir unsere erste richtige Pause erst bei der "Post" machen konnten, wo wir beim "Tag der offenen Tür" nach 30 Kilometern endlich ankamen. Nachdem Nepomuk uns eine Runde zu Trinken spendierte, stürzten wir uns auf den Grillmeister und verputzten im Nu ein bis zwei Portionen Wurst beziehungsweise Fleisch mit Brot. Gesättigt machten wir uns auf den Heimweg, wo wir die Boote versorgten und auf Hadis Wohl tranken, der zu unserer Freude endlich wieder im Verein war.
Es war ein wunderschönes Wochenende mit viel Neuwasser, Spaß und traumhaftem Wetter.
Anja Poppe
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