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Jugend-Wanderfahrt auf den Ruppiner Gewässern

rund um Neuruppin
05. - 07. April 2002

"ACHTUNG Vollsperrung! Die Schleuse Alt Ruppin ist im Zuge des Ersatzneubaus der Schleusenbrücke bis zum 18.04.2002 gesperrt."

Schleuse Neumühle

auf dem Alten Rhin wird es eng

auf dem Alten Rhin

Durch die Schleuse Altfriesack sind wir auch nicht gekommen...

Schleuse Altfriesack

Ein richtiger Wanderruderer wie der Kurze erholt sich sogar auf dem Rollsitz

der Kurze pennt im Boot

Reyks Kommentar dazu: "Ich bin Waldorf-Schüler, ich rede sogar mit Bäumen."

Reyk, der Yogi

Freitag, 05.04.2002

Bereits am letzten Wochenende hatten wir die neue Wanderruder-Saison in einem zweitägigen Kampf gegen Wind und Wellen auf Wannsee und Spree begrüßt und waren nun der Ansicht, dass uns so schnell nichts mehr erschüttern könne... Aber - wie sollte es auch anders sein - der Teufel steckte im Detail. Der Sonnenschein am Freitagnachmittag lenkte nur unwesentlich vom Sturm ab und schon auf der Autobahn beschlichen uns die ersten Zweifel: "Der Neuruppiner Ruderclub liegt doch an einem großen See, oder?".
Nachdem wir mitten in Neuruppin rein zufällig genau den richtigen Abzweig zum Ruderclub gewählt hatten, wurden Alex, der Kurze und der Lange (Sebastian), Christian (F.), Jorin, Reyk, Tobias (F.), Zeno und ich freundlich begrüßt und bekamen einen Schlüssel fürs Haus und für den Schlafraum. Der restliche Nachmittag sollte für einen umfangreichen Stadtbummel herhalten, bei dem die üblichen Ziele angesteuert wurden:
1. Touri-Attraktionen: das Fontane-Denkmal, eine große Büste von Marx oder Engels (O-Ton Alex: "Ist das der Sitzende oder der Stehende?"), die Fußgängerzone.
2. Unvermeidliches: Spielplätze, Uferpromenade, Restaurants (zwecks Speisekarten-Fahrtenkasse-Kompatibilitätsprüfungen).
3. Abenteuerliches: Sparkasse (merke: immer erst auf die Öffnungszeiten sehen, sonst wirst Du gnadenlos eingeschlossen).
4. Johannes' Werkstatt: Ihr wisst schon, da kommen die Miniatur-Ruderboote und die Rudertrophäen her. Es gab vieles zu bestaunen und vieles zu erfahren.
5. Der Bahnhof: Christian (W.) alias "Pünktchen" reiste direkt aus dem Urlaub nach Neuruppin.
Und? Habt Ihr in der Liste etwas vermisst? Womöglich sogar gastronomische Einrichtungen, in denen alkoholische Getränke ausgeschenkt werden? Ich auch - aber es war ja schließlich eine Jugend-Wanderfahrt. Jedenfalls kehrten wir mit Einbruch der Dämmerung zu unserem Quartier zurück und ließen den Abend mit Skat und Anekdoten aus 2 bis 11 Jahren Ruderleben ausklingen.
(Wir wenigen Volljährigen haben uns dann allerdings doch noch von der Qualität eines Brauereierzeugnisses aus der Gegend überzeugt.)

Sonnabend, 06.04.2002

Gestern hatte uns die Ökonomin bequatscht, eine Stunde später als vorgesehen zu frühstücken, weil es morgens noch so kühl wäre - sie hatte Recht. Als zusätzliches Senkblei auf die Gemüter wirkten der Wind, der große Wellen auf den Steg blies, und dunkle Wolken. Dafür war das Frühstück akzeptabel - im Gegensatz zu den Waschräumen, die nicht wirklich zur intensiven Nutzung einluden - und auch die Boote waren eine eher positive Überraschung (zumindest für Teilnehmer der Neuruppin-Lindow-Wanderfahrt 1995).
Unerschrocken brachten wir die beiden uns zugewiesenen C-Vierer zu Wasser und ruderten gegen die Unbillen des Wetters in Richtung Alt Ruppin. Hier erreichten wir dann auch endlich den Rhin und verließen den Ruppiner See. Kleine Häuser mit großen Gärten (den Wäscheleinen nach zu urteilen leben hier ca. 4 Menschen auf jedem Quadratmeter Wohnfläche), Vogelgezwitscher und eine mittlerweile häufig aus den Wolken hervorblinzelnde Sonne begleiteten uns während wir uns beeilten, die stündliche Schleusung der Schleuse Neumühle noch zu erwischen; das Tagesziel hieß Boltenmühle. Völlig unerwartet stand dann die berühmte "Österreichische Flagge" in Form eines Blechschildes am Ufer, was uns aber nicht weiter interessierte: "Wir sind ja schließlich Sportler und benutzen auch die Schurre, wenn es sein muss".
Allerdings stellte sich auch besagte Schurre als unpassierbar heraus, ihren Platz nahmen Kabel, Rohre und Schuttberge von der im Bau befindlichen Schleusenbrücke ein. Merke: Eine 3 Wochen alte Information ist keine Information. Nach einer Pause mit zweitem Frühstück, Überarbeitung der Fahrtenplanung und Anfertigung von gestellten Fotos ging es wieder zurück, am Alt Ruppiner RC vorbei und hinein in den für Ruderboote viel zu schmalen Alten Rhin: "Skulls achten!", "Backbord lang!", "Ein kräftiger Schlag!", "Skulls lang!", ... Für zusätzliche Unterhaltung sorgte ein strubbeliger Hund mit einer Schulterhöhe von 1,20m, der es so richtig genoss, uns vom Ufer aus sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt kräftig direkt in die Gesichter zu bellen.
Die weitere Rücktour gestaltete sich dann deutlich ruderfreundlicher, da die Windrichtung annähernd stimmte. Im Päckchen über den Ruppiner See treibend wurden Leckereien und Frotzeleien zwischen den Booten ausgetauscht, das Passieren der Bahndammbrücke klappte deutlich besser als am Morgen und der einsam umherschippernde Dampferkapitän hupte uns freundlich zu. Wir ruderten noch einen kleinen Abstecher in die Lanke und erreichten bereits am frühen Nachmittag wieder den Steg des NRCs.
Nach ausgiebigem "Chillen" und anschließendem strammen Fußmarsch kürten wir eine Pizzeria mit angrenzendem Eiscafe zur Futterquelle unserer Wahl. Der Abend im Bootshaus verlief ähnlich wie am Vortag, nur dass mittlerweile Quotenfrau Nicole angereist war. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass das "Dessower" vom unteren Ende des Fasses ebenso mundete wie das vom oberen Ende und dass Christian vor unser aller Augen nach eigener Aussage "zum Mann gemacht" wurde (keine Panik, er lernte Skat).

Sonntag, 07.04.2002

Heute sah das Wetter schon sehr viel freundlicher aus: windig, aber sonnig. Alex verließ uns nach dem Frühstück, da er seine Schulter beim Rudern lädiert hatte, und wir konnten wieder mit den beiden Vierern aufs Wasser.
Der Ruppiner See zog sich in Richtung Süden ziemlich in die Länge; viel Schilf und viel Wald am Ufer boten nicht übermäßig Abwechslung und ein ums andere Mal hofften wir, hinter der nächsten Kurve das Ende des Sees ausmachen zu können. Es verging viel Zeit mit den üblichen Albernheiten, Segeln, Sonnen und Aufeinanderwarten. Schließlich war es dann so weit: nach der Einfahrt in den Rhin waren es nur noch 500m bis zur Schleuse Altfriesack.
Hier warteten keine Sperrschilder auf uns, kein schweres Baugerät war zu sehen, keine anderen Boote warteten vor uns auf eine Schleusung - und ein Schleusenwärter war auch nicht ausfindig zu machen. Eine Tafel klärte aber darüber auf, dass wir noch etwa zweieinhalb Stunden auf das Ende der Mittagspause zu warten hätten. Ein Umtragen war nicht möglich. Also wurde auch die heutige Tagesetappe gekürzt und da die Temperaturen sich inzwischen im angenehmen Frühlingsbereich bewegten, ersetzte ein ausgedehntes Picknick die nicht geruderten Kilometer.
Eine weitere Informationstafel in der Nähe der Schleusenbrücke klärte wissbegierige Naturfreunde über Flora und Fauna der Region auf. Überrascht konnten wir feststellen, dass ein Koch-Azubi (der Kurze) und ein Informatik-Student (ich) zusammen genug Biologie-Kenntnisse aufgebracht hatten, um einen Mäusebussard im Flug zu erkennen.
Auf dem Weg zurück nach Neuruppin gingen Rudern und Erholung mal wieder fließend ineinander über, die Sonne strahlte und über den Kielen bildete sich ein buntes Sammelsorium abgelegter Ruderkluft. Nachdem wir die Boote ordentlich geschrubbt hatten (erforderlich wegen einer Kuchenpause auf dem Wasser), ging es wieder ab nach Berlin.
Bemerkenswert ist noch, dass der Lange und Nicole dafür trotz stärkerer Motorisierung mehr Zeit benötigten (zum Glück führen alle Wege nach Spandau) und dass der Kurze eine Vollbremsung aus 45 km/h solange hinauszögern kann, dass er exakt 2cm hinter dem voranfahrenden Kraftfahrzeug zum Stehen kommt ("Gurt- und Bremsentest").

Was ich noch zu sagen hätte...

... dauert noch nicht mal so lange, wie man jetzt weitersingen möchte.
Als erstes sind natürlich Worte des Dankes angebracht, diesmal an Manfred "Senkel" Hoffmann und Frau Mard, die zur Entlastung der Fahrtenkasse beigetragen haben und an Gaby und Harry sowie Herrn Wrede, die auf ihre Autos verzichtet haben, bloß damit selbige 2 Tage lang in Neuruppin auf dem Parkplatz stehen.
Und Platz für eine Meldung aus der Rubrik "Rudern bildet" ist auch noch: der Rhin wird mit langem "i" gesprochen; es handelt sich also um ein Dehnungs-"h" und nicht um ein überflüssiges "h" wie beim Rhein.

 

Bericht von Dennis


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