Rudern @ Dresdenia Berlin
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Havelkanal so weit das Auge reicht |
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sowjetische Hinterlassenschaft in Lehnin, auch als Schattenspender nutzbar |
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die Durchfahrt bei Wusterau ist in den meisten Wasserkarten als unpassierbar gekennzeichnet |
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Badespaß in Rathenow mit Ausblick auf die Kirche |
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die Rathenower Hauptschleuse ist normalerweise im Sommer für Ruderer gesperrt |
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Obwohl es bereits Nachmittag war, als Christian S., Christian W., Zeno, Tobi F., Reyk, Franzi und ich uns im Bootshaus trafen, brannte die Sonne noch gnadenlos vom Himmel. Der übliche Gepäckberg türmte sich in der Nähe des Steges auf und kündigte den Beginn der diesjährigen Sommer-Kreuzfahrt in Richtung Havelberg an. Der neue E-Dreier "Alles Voraus" schluckte erwartungsgemäß den größten Teil unserer Habseligkeiten und bereits nach den ersten Kilometern stand für uns fest, dass wir aufgrund der auch im beladenen Zustand überwältigenden Fahreigenschaften besagten Bootes die Teilnehmerzahl ab sofort so begrenzen oder erweitern, dass ein Dreier unverzichtbar ist.
Wir passierten die Schleuse Spandau, hinter der Anja uns ein letztes Mal zuwinkte, und rauschten die Havel aufwärts bis zum RC Saffonia. Schnell wurde Gepäck und Gebäck ins Bootshaus geschafft; das Ende des Niederneuendorfer Sees rief. Die Freude darüber, den VL über Neuwasser zu schicken, war nicht zu überhören.
Wieder bei "Saffo" wurde schnell geduscht und zivile Kleidung ausgepackt, denn in der nahegelegenen Pizzeria "Da Castelli", die den meisten Teilnehmern noch von der Oberhavel-Wanderahrt 2001 bekannt war, sollte der Tag einen entspannten und sättigenden Ausklang finden. Fand er auch.
Heute erwartete uns eine der ekelhaftesten Tagesetappen: der Havelkanal. Ohne Neuwasser für den VL, dafür aber für den Großteil der restlichen Reisegruppe. Franzi hatte uns gestern arbeitsbedingt verlassen und Christian F. würde unseren Herrenchor bis zum Ende der Fahrt komplettieren.
Was soll man zum Havelkanal schon schreiben? Er ist gerade, mal mit mehr und oft mit weniger Schatten durch am Ufer stehende Bäume gesegnet, Strömung fehlt völlig, durch die Schleuse Schönwalde mussten wir rudern, ... er ist halt einfach sehr "kanalig". Direkt vor der Straßenbrücke zwischen Wustermark und Dyrotz bei Kilometer 23,5 kann man "gut" eine Pause an Land machen, und auch die Zugangsberechtigten (sprich: Schlüsselinhaber) scheinen sich nicht daran zu stören. Erwähnenswert sind vielleicht auch noch die Bremsen, die planmäßig erst im Unterlauf der Havel erwartet wurden. Am Ende des Ruder-Tages stand es 27:3 (Bremsen-Leichen:Bremsen-Stiche) für uns.
Jedenfalls sind wir wieder auf der Havel gelandet, haben den Seesportclub Ketzin gefunden und dort das übliche Spätnachmittagsprogramm aus Schwimmen, Duschen, Shopping, Nudeln mit Tomatensoße, Schwimmen, Dummquatschen mit Blick auf das Wasser und die untergehende Sonne, Mückenklatschen sowie Schlafsäcke-nicht-vernachlässigen absolviert – ungefähr in dieser Reihenfolge. Dass eine Katze sich an einem Igel eine blutige Nase geholt hat, hat uns natürlich nicht davon abgehalten, ihn mal zu streicheln.
Aus den Erfahrungen der letzten Tage lernend, standen wir noch früher auf, um die Zeit mit erträglicheren Temperaturen für uns zu nutzen. Da das Frühstück quasi "eingeatmet" wurde und wir auch die Paddelhaken nicht vergessen hatten, waren wir eine ganze Stunde früher als gestern auf dem Wasser. Der leichte Schiebewind war auf dem Trebelsee noch angenehm, sorgte anschließend aber dafür, dass uns beim Rudern die Luft stehend vorkam. Trotzdem kamen wir recht zügig voran, so dass wir schon am Vormittag die Hälfte der Tagesetappe hinter uns hatten und in den Emsterkanal einbiegen konnten.
Hier von einer Bremsen-Plage zu reden, kann man getrost als Untertreibung abtun; einzig und allein Rietzer See, Netzener See und Klostersee boten die Möglichkeit, ohne Unterbrechung zu rudern. Während einige Kameraden sich beim RV Kloster Lehnin sofort ins Wasser stürzten, unternahm die Mannschaft der "Wiesbaden" noch eine Erkundungstour auf dem Wasser in die Stadt hinein. Hier stank das Wasser allerdings sehr abgestanden, so dass es auch nicht verwunderte, dass ein Eiscafe oder Ähnliches weit und breit nicht zu entdecken war. Ach so, heute liefen wir zu Hochform auf und haben exakt 130:0 gewonnen (siehe gestern).
Als Ausgleich für die relativ kurze Ruder-Etappe durften wir auf der Suche nach frischen Lebensmitteln um so weiter laufen – und auch wieder zurück. Wahrscheinlich wäre jeder Unteroffizier, der einem Zug der Grundausbildung einen solchen Gepäckmarsch zumutet, unehrenhaft entlassen worden – aber wir sind ja Ruderer. Die Belohnung war dann aber auch haufenweise totes Tier vom Grill mit fast allem, was dazugehört. Lecker!
Die Sonne war schon lange hinterm Horizont verschwunden, als auch die Standhaftesten unter uns sich vom einheimischen Ex-Ruderer, der seinen schier endlosen Erfahrungsschatz vor uns ausbreitete, verabschiedeten.
Schon wieder früh aufstehen. Dafür schlafen die Bremsen noch. Schon haben wir die Havel wieder erreicht und richten die Büge, Buge, Bugs, ... die vorderen Enden der Boote nach Backbord in Richtung Brandenburg/Havel. Am Wasserwanderrastplatz am Brandenburger Stadtkanal zwängen wir unsere Boote zwischen die malerisch über die gesamte Länge des Stegs verteilten Kanus und sind bereits froh, ein wenig Schatten zu erhaschen. Mit Bananen und Keksen stärkten wir uns für die Weiterfahrt, die jedoch erstmal an der Sportbootschleuse Brandenburg gebremst wurde. Zwischen unsere beiden Boote hätte noch ein drittes gepasst, das wars aber auch schon.
Weil die Tagesetappe eigentlich viel zu kurz angesetzt war, bogen wir nach Verlassen der Havel auf dem Breitlingsee nach Süden ab und sprangen ins Wasser – flink waren wir wieder in den Booten, als ein Schiff der Wasserschutzpolizei direkt auf uns zuhielt. Weiter ging es zwischen Buhnen- und Kiehnwerder hindurch auf den Möserschen See, wo wir uns am Südufer von Wusterau entlangtasteten, bis wir die gut zwischen dem üppig wachsenden Schilf versteckt liegende klitzekleine Durchfahrt zum Plauer See entdeckten. "Ohne Kraft" rudernd und unter intensivem Einsatz der Paddelhaken meisterte die erfahrene Wanderrudertruppe auch diesen Engpass und legte noch einen kleinen Sprint bis zum RC Plaue ein.
Der Nachmittag war noch jung und wurde mal wieder mit Schwimmen, Einkaufen, Stadtbummel, Schinkennudeln, Duschen und Klönen ausgefüllt. Kleine Frage zwischendurch: Was gibt es in JEDEM Kaff in Brandenburg? Richtig: Einen "Plus"-Markt und eine "Allianz"-Vertretung.
Die Sonne blinzelte uns rötlich glühend entgegen, "herrliches Ruderwetter". Oder anders ausgedrückt: Dass wir bereits beim Frühstück ins Schwitzen gerieten, lag nicht gerade an zu heißem Kaffee oder an zu heftigen Kaubewegungen. Geschwind wurden die Boote vollgestopft und die Ruderer nahmen – mittlerweile schon nicht mehr mit dem selben Elan wie zu Beginn der Wanderfahrt – auf den Rollsitzen platz.
Die brandenburgische Havellandschaft mit ihren vielen Kiefern und Birken glitt an uns vorbei, über unseren Köpfen zogen Greifvögel ihre Kreise. Zwar waren es keine Geier, aber die Möglichkeit, dass sie uns bereits für Aas hielten, war gar nicht mal so unwahrscheinlich. Vorsichtshalber tranken wir eine Menge Wasser.
Die Schleuse Bahnitz passierten wir problemlos; weder uns noch den Schleusenwärter schien es zu interessieren, dass es angeblich neben dem Wehr noch eine Sportboot-Schleuse mit Selbstbedienung geben soll. Bei Premnitz fand sich ein gemütlicher kleiner Strand, der gerade groß genug war, um unseren Booten mitsamt der Mannschaft ein wenig Schatten zu spenden. Nach ausgiebiger Pause verliefen auch die folgenden 10 Kilometer eher schleppend, doch als etwa 5 Kilometer vor unserem Tagesziel, dem Rathenower RC Wiking, der Turm der Kirche, die dem Ruderverein direkt gegenüber liegt, zu sehen war, gab es kein Halten mehr und es folgte eine regelrechte Langstreckenregatta mit einer erfrischenden Dusche als erstem Preis.
Den örtlichen "Allianz"-Vertreter haben wir auf Anhieb gefunden, ein "Plus"-Markt war allerdings nicht zu entdecken. Dafür lief uns im "Kaufland" ein extrem kompakt verpackbarer Grill für sagenhafte 4,99 € zu, den wir dann auch behielten und der fortan fester Bestandteil der Jugend-Fahrtenküche ist. Einen Rest Grillkohle vom Dienstag schleppten wir auch immer noch mit, so dass das Kochen natürlich wieder als "Gurke-Schnipseln und Fleisch auf heißes Eisen werfen" stattfand.
Frühstmöglich wälzten wir uns aus den Schlafsäcken, erwartete uns doch heute eine Ruderstrecke von fast 50 Kilometern. Schlaftrunken machten wir uns auf den Weg zur Hauptschleuse Rathenow, die in den Sommermonaten eigentlich für Sportboote gesperrt ist. Allerdings konnten wir den Schleusenwärter gestern telefonisch davon überzeugen, dass uns der Schleusenbeginn der Stadtschleuse Rathenow um 9 Uhr viel zu spät sei. Der Crew eines kleinen Segelbootes erging es offensichtlich ähnlich und so wurden wir nicht ganz alleine von dem im Vergleich zu den anderen auf dieser Fahrt passierten riesigen Schleusenbecken empfangen.
Havelauen so weit das Auge blicken kann. Die Schleuse Grütz wurde problemlos gemeistert. Die Elbe hatte laut Informationstafel in Rathenow einen Pegel von nur noch 80 Zentimetern und so war es auch nicht verwunderlich, dass der Abstand zwischen der Wasserfläche der Havel und dem durch Kalkablagerungen gekennzeichneten Normalpegel immer größer wurde, je näher wir der Havelmündung entgegenruderten.
Probleme gab es an der eigentlich automatisch betriebenen Schleuse Garz: Weder das Tor im Oberwasser noch das Tor im Unterwasser wollte sich auf Knopfdruck öffnen und auch der Wasserpegel in der Schleuse blieb unverändert. Ein Umtragen der Boote schien ebenfalls beschwerlich, aber der eiligst informierte Schleusenwärter schaffte es per manueller Bedienung schließlich doch noch, die Schleuse in Betrieb zu nehmen. Beim darauf folgenden Abstecher auf die Gülper Havel zum Wasserwanderrastplatz Strodehne gab es das, was den Ruderern noch zu ihrem (Un-)Glück fehlte: gekühlte Getränke in der örtlichen Wirtschaft für alle und ein Wespen-Stich für Pünktchen.
Die letzten 15 Tageskilometer wollten einfach kein Ende nehmen, waren aber irgendwann doch vorbei. Andi und Anja trafen pünktlich, nachdem die Boote aus dem Wasser waren, ein und mit einem ausgedehnten Resteessen und -trinken wurde dieser Tag beschlossen, bevor wir uns nach und nach in den geradezu luxuriös anmutenden Bungalow-Betten verkrochen.
Endlich mal trödeln. Beim Aufstehen, beim Frühstücken, beim Abwaschen, beim Rudern. Anstelle von Tobi stieg Andi heute mit ins Boot, um mit uns ein Stück die Havel abwärts in Richtung Gnevsdorf zu rudern. Nach einer Badepause kehrten wir um und umruderten noch die Spülinsel, auf der unser Quartier, der RV Havelberg, liegt.
Die Boote wurden auf den Hänger geladen, den Robert uns nach Havelberg gefahren hatte, und beinahe hätten wir noch ein Skiff abgegriffen. Dieses sollte eigentlich zersägt werden, aber nachdem Reyk eine Probefahrt gemacht hatte und trocken und zufrieden wieder ausstieg, wollten die Havelberger es doch lieber behalten.
Alle kamen wohlbehalten in Berlin-Spandau an, die Kräfte reichten sogar noch, um das Bootsmateriel gründlichst zu säubern und um die Treppen zur Terrasse des Bootshauses zu erklimmen, wo der Tag mit Pizza und Eis beendet wurde. Mal sehen, wohin es uns in den Sommerferien 2004 verschlägt...
Bericht von Dennis
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