Rudern @ Dresdenia Berlin
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Elbe-Havel-Dreieck

Berlin-Spandau → Plaue/Havel → Tangermünde → Havelberg → Rathenow → Brandenburg/Havel → Berlin-Spandau
12. - 17. August 2001

nette Gesellschaft

Herr Nielsen

der Hafen von Arneburg

Hafen Arneburg

Blick auf die Elbe von der Arneburger "Burg"

Elbe bei Arneburg

ohne Worte

Anlegen verboten!

wir sind fast wieder zu Hause!

fast wieder zu Hause

Sonntag, 12.08.2001

Um die heutige Tagesetappe von 67km bei Tageslicht zu bewältigen, trafen sich Fernand, Gaby, Sebastian F., Silke und ich bereits um 7 Uhr im Bootshaus. In der morgendlichen Trübheit (des Himmels und der Teilnehmer) beluden wir die "Hamburg" und ruderten gen Sacrow. Zum Glück konnten wir einen Großteil des Gepäcks Gerrit (vom Post SV) aufdrücken, der erst abends mit dem Auto nach Plaue kommen sollte, um Gaby und ihren Hintern ab- bzw. zu erlösen.
Bei Ketzin gelangten wir wieder auf die Havel, und der Wind blies uns unbarmherzig in den Nacken, so dass wir nur mühsam vorankamen und Fernand mangels Anlegemöglichkeiten beinahe ein "Körperteil" geplatzt wäre. Im Brandenburger Schleusenkanal fanden wir dann einen kleinen städtischen Wasserwanderrastplatz mit zivilisierten Toiletten, der am Wochenende aber sinnigerweise geschlossen ist. Hinter der kleinen Brandenburger Schleuse ging's wieder auf die Havel und über den Plauer See nach Plaue, wo wir vom Vorsitzenden empfangen wurden.
Das Leitungswasser hier machte zwar eher den Eindruck eines "Nachhers" als eines "Vorhers", aber wir beruhigten uns damit, dass wir es zum Kochen ja sowieso erhitzen mussten, und Bier ist ohnehin schmackhafter.

Montag, 13.08.2001

"In Plaue regnet es fast nie" wurde uns am Vorabend versichert, aber wir waren halt "fast nie" dort. Auch das Trödeln beim Frühstück half nicht und so verpackten wir uns wasserdicht, überluden das Boot ordnungsgemäß und setzten uns in Bewegung. Immerhin hatte der Wind nachgelassen, sodass wir nicht befürchten brauchten, auf dem Elbe-Havel-Kanal in der prallen Sonne zu schwitzen, weil plötzlich keine Wolken mehr da sind.
Nach Passieren der Wusterwitzer Schleuse, die so lang ist, dass die Schleusenwärterin von einem Tor zum anderen mit dem Fahrrad fährt, stellten wir fest, dass dieser Kanal gar nicht so unerträglich ist - oder zumindest, dass der Oder-Spree-Kanal um einiges langweiliger ist. Hinter Genthin wird er jedoch im Rahmen des "Projekts 17" ausgebaut, was aktuell eine Verengung bedeutet, sodass man viel mehr Spaß mit Schubschiffen und "Sport"-Booten haben kann als gewöhnlich. Schließlich bogen wir auf den Pareyer Verbindungskanal ab und hinter der gigantischen Pareyer Doppelschleuse erreichten wir die Elbe. Jetzt - wo wir's nicht mehr nötig hatten - ruderten wir mit einer leichten Brise von achtern.
In Tangermünde verfolgten uns weiterhin die Ruhetage: die Pizzeria, die sich im letzten Jahr als empfehlenswert erwiesen hatte, war geschlossen. Schließlich fanden wir aber doch noch einen "Ersatz-Italiener", der völlig zu Recht so betitelt wird.

Dienstag, 14.08.2001

Bei herrlichstem Sonnenschein und Schiebewind absolvierten wir in Begleitung eines motoriserten Kanuten mit gleichem Tagesziel die mit 40km kürzeste Tagesetappe dieser Tour.
In Arneburg legten wir unsere Mittagspause ein, wo wir von einem Eingeborenen auf die "Burg" auf dem Altmoränenhügel hingewiesen wurden. Von dort könne man sogar Rathenow sehen. Eine Burg fanden wir nicht, aber ein Ausflugslokal "zur Burg" mit herrlichem Ausblick über das Flachland rechts der Elbe, einem angenehm kühlen Keller und natürlich regionalen Spezialitäten vom (Zapf-)Hahn - der Eingeborene stellte sich als dessen Wirt heraus. Im Inneren fand sich ein Hinweis auf die gesuchte Burg, deren Fundamente erst beim Bau des Lokals entdeckt wurden. Heute befinden sie sich in der Erde unter dem Lokal! Und ich dachte immer, ich wäre bezüglich Geschichte und Kultur in gewissem Maße ein Ignorant...
In Havelberg quartierten wir uns beim Ruderclub ein, beobachteten eine Biberfamilie in der Nähe und starteten einen Stadtbummel, der schon bald ein jähes Ende in einem Biergarten in Wassernähe fand. Abschließend bleibt zu Havelberg zu sagen, dass man im weiteren Umkreis eines Zebrastreifens auf keinen Fall stehen bleiben sollte, um über die einzuschlagende Richtung zu diskutieren - man hält allein dadurch den gesamten Verkehr auf einer Hauptverkehrsstraße auf!

Mittwoch, 15.08.2001

Noch am Vorabend hatte Sebastian bei Harry telefonisch Nachschub an Duschgel und Bord-Bier angefordert, der heute früh gemeinsam mit Gaby an uns ausgeliefert wurde; dafür räumte Fernand seinen Rollsitz.
Bei der trotz Gegenwind (muss der eigentlich noch erwähnt werden?) brütenden Hitze machten uns heute vor allem die Bremsen zu schaffen. Hätte jemand aus der Ferne unseren Vierer beobachtet, so hätte er vermuten müssen, dass wir alle am Tourette-Syndrom leiden; ständig unterbrach jemand das Rudern, um sich selbst oder das Boot oder einfach in die Luft zu schlagen, begleitet von nicht-abdruckbaren verbalen Lautäußerungen. So konnten wir Natur und Landschaft nur schwer genießen, einzig der anmutige Flug von Adlern und Milanen ließ uns für Minuten die mehr oder weniger stark anschwellenden Bremsen-Bisse vergessen.
Schließlich wurden wir noch Zeuge einer Bundeswehr-Übung der ganz besonderen Art: zwei Mannschafts-Schlauchboote mit einer unbestimmbaren Anzahl von Bierdosen und unvorschriftsmäßig bekleideten Soldaten an Bord wurden von einem Soldaten im Sportdress mittels eines Kajaks die Havel hinabgezogen. Man grüßte sich freundlich.
In der kleinen Rathenower Stadtschleuse mussten wir uns mangels Leitern an algenbewachsenen Leinen festhalten. Igittigitt! Für die Strapazen des Tages wurden wir dann aber mit einem (mit farblosem! Wasser von Silke und Gerrit zubereitetem) Festmahl belohnt, um das uns die Rathenower Ruderer beneideten.

Donnerstag, 16.08.2001

Wer Lust dazu hat, kann an dieser Stelle den zweiten Absatz von gestern noch einmal lesen, für alle anderen geht es gleich am frühen Nachmittag weiter:
Sonnenverbrannt erreichten wir wieder Plaue, wo wir eine Pause einlegten; meinetwegen hätte es diesmal ruhig ein wenig nieseln können. In voller Rudermontur tigerten wir in die Stadt bis zu einem Eiscafe, wo wir zwar kritisch beäugt, aber dennoch bedient wurden.
Offensichtlich war es mal wieder "fast nie" und so begann es kurz nach unserem Ablegen zu regnen. Auf dem Plauer See wurde der Regen dann stärker und ging schließlich in einen Hagelsturm über. Steuerfrau Silke behauptet zwar, 50m weit sehen gekonnt zu haben; ich habe sie vom Bug aus schon nicht mehr wirklich erkennen können... Den nächsten Wetterwechsel gab es 3 Kilometer weiter; kurz bevor wir den Plauer See verlassen und wieder auf die Havel rudern konnten, kam die Sonne heraus, sodass wir und unser Boot nur so dampften. Auf der Havel trieben abgeknickte Äste und Bäume, die ganze Umgebung sah aus wie nach einem Wirbelsturm in Florida.
Schon fast wieder trocken erreichten wir den RC "Havel" Brandenburg, der Aufschrift am Bootshaus zufolge handelte es sich aber bereits um die zweite "BSG Einheit" in Folge, die uns als Quartier dienen sollte. Der Geruch in den "Raumzellen" (oder für Wessis: Baucontainer), wo sich die Betten befanden, machte dann aber doch eher der "BSG" alle Ehre.
Jedenfalls war die verbliebene deutlich-U30-Truppe (Gaby hatte uns wieder verlassen) eine kurze Dusche und 5 Minuten Fußweg später mitten im Touristen-Zentrum von Brandenburg. Wir entschieden uns für ein Lokal, das sich auf Schnitzel in allen Variationen spezialisiert hatte - Sorry, Fernand!

Freitag, 17.08.2001

Heute besetzte Atze den freigewordenen Rollsitz, um uns bei unserem 57-Kilometer-Endspurt zu unterstützen. Das meiste überflüssig gewordene Gepäck konnten wir Emmi aufhalsen (Danke!), die es mit dem Auto zum Verein brachte.
Da es heute nur eine Schleuse gab und wir auch nur zwei kleinere Pausen einlegten, erreichten wir schon am Nachmittag den heimischen Steg. Und nirgendwo ist es so schön wie zu Hause: In Berlin gab es endlich wieder die auf Elbe und Plauer See erwarteten Wellenberge und -täler, rücksichtslose Dampfer- und "Sport"boot-Kapitäne sowie Segler, die genau dann eine Halse fahren, wenn man gerade an ihrem Heck vorbeisteuert...
Bleibt eigentlich nur noch zu erwähnen, dass die vollschlanke "Hamburg" für ein solches Unterfangen eigentlich noch viel zu schmal ist. Nur der terminbedingte ständige Austausch von Ruderern (mit weniger Gepäck) und relativ gute Wasserverhältnisse haben dafür gesorgt, dass wir nicht regelmäßig zum Fußbad gezwungen wurden.

 

Bericht von Dennis


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