Rudern @ Dresdenia Berlin
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2 gesteuerte 4er "Hamburg" und "Berlin", 1 FL Dennis, 2 Sebastians, 2 Christians, 1 Zeno, 1 Vadim, 1 Felix, 1 Tobias, 1 Jorin & eine Dahme mit Nebengewässern;
Zu unmenschlich früher Stunde (8:30 Uhr) trafen wir uns im Bootshaus, um in einem vollbesetzten Kleinbus und einem völlig überladenen VW Polo gen ESV Schmöckwitz aufzubrechen. Dort lagen seit dem letzten Sonntag die beiden Vierer-mit "Hamburg" und "Berlin", nachdem sie zuvor eine Woche in Rüdersdorf verbracht hatten - irgendwie war der Rücktransport vom WRT nicht ganz geglückt.
Der Nieselregen, der die Abfahrt der Boote zur eisenharten Probe der Willenskraft machte, hörte bereits an der Schmöckwitzer Brücke auf - interessant: in den letzten Jahren fing es regelmäßig an zu schütten, nachdem wir die gleiche Brücke in umgekehrter Richtung passiert hatten. Jedenfalls kämpften wir uns leicht angefeuchtet weiter über den Zeuthener See. Wir hatten wie immer Gegenwind, weshalb wir uns eine kleine Pause an der Schurre Neue Mühle gönnten. Ach so, die Schurre hatten wir eigentlich nur benutzt, weil bei unserer Ankunft volles Sperrfeuer an der Schleuse leuchtete, aber bei unserer Abfahrt öffnete sich das Tor im Unterwasser dann trotzdem, um ein gigantisches "Sport"-Boot zu schleusen.
300 Meter hinter der Schleuse befindet sich auf der Backbordseite ein kleiner ca. 2 km langer Kanal durch Königs-Wusterhausen zum Krüpelsee. Obwohl auf beinahe seiner gesamten Länge nicht einmal für einen Zweier eine Wende möglich ist, entschieden wir uns für die Passage mit den beiden Vierern - und prompt versperrte uns ein umgestürzter Baum von über einem halben Meter Durchmesser den Weg. Und nun strengt Eure Fantasie an, denn Beweisfotos hat niemand angefertigt: Der kleine Sebastian liegt im Bug der "Hamburg" und hält den Baum an einem Paddelhaken, sich selbst mit den Füßen im Boot fest. Der kleine Christian liegt im Bug der "Berlin" und hält sich am Heck der "Hamburg" fest. Nun beginnen die 6 verbliebenen Ruderer und 2 Steuerleute rückwärts zu rudern bzw. zu paddeln und endlich (verschiedene andere Versuche der Räumung waren mehrfach gescheitert) gibt der Baum zentimeterweise eine schmale Durchfahrt frei, wobei die an Land liegende Baumkrone weiteren Flurschaden anrichtet und die Bruchstelle am anderen Ende des Baumstammes die Uferböschung aufreißt und den Grund des in der Mitte 50cm tiefen Grabens aufwirbelt. Boote und Mannschaften blieben unversehrt.
Beim Verlassen des Kanals (im "Spreewald-Schwip") wurden wir ungläubig von Ruderern beäugt, die bereits unsere Einfahrt beobachtet hatten und sich nun zu einer Gig-Regatta auf dem Krüpelsee versammelt hatten; man bot uns an, mitzurudern und wollte uns sogar einen Zeitbonus gewähren, da sich unser Gepäck so auffällig im Bug und Heck stapelte. Wir zogen dem kalorienvernichtenden Rennen eine Kalorienaufnahmepause beim ESV Krüpelsee vor. Die Bäume dort halten, auch wenn sie teilweise fast waagerecht wachsen, auch in ca. einer Viererlänge Abstand vom Ufer noch mindestens 50kg Belastung aus.
Von warmer Spätmittagssonne beschienen ruderten wir die Dahme weiter aufwärts und über den Dolgensee, noch immer gegen den Wind. In Prieros bei Kuddel angekommen brachten wir unser Gepäck auf den Dachboden, der für diese Nacht unser Quartier sein sollte, legten eine weitere Entspannungsphase ein und winkten Nepomuk zu, der einen Achter aus Grünau durch die Gegend steuerte.
Danach legte ich als FD (="Fahrten-Diktator") fest, dass wir zur Stärkung des Appetits noch den Langen See berudern sollten. Außerdem kam ich so als Letzter doch noch zu Neuwasser an diesem Tag und mähte als Steuermann eine Reusenstange um - ich hatte mich darauf verlassen, dass wie allgemein üblich die fahrwassernächstgelegene Stange gekennzeichnet ist und nicht die vorletzte...
Nach Aufnahme der - wie bei Kuddel üblich - extrem tier-haltigen und schmackhaften Nahrung mit mehreren kostenneutralen Nachschlägen, machten sich die "Kleinen" schon sehr bald bettfertig und ließen die beiden Sebastians und mich allein in der Gaststube. Ehrlich gesagt befürchteten wir aufgrund dieses ungewohnten Verhaltens eine Meuterei oder die Ausplünderung unserer Packsäcke, aber es geschah nichts dergleichen. Also glichen wir den Flüssigkeitsverlust des bald vergangenen Tages aus, wobei durch die Geburtstagsfeier eines anderen Gastes auch hier die Nachschläge (für uns) kostenneutral gehalten werden konnten.
Wie so häufig glich das Aufstehen schon eher einer an den Schlafsäcken durchzuführenden Kaiserschnittoperation; aber immerhin einer, bei der Schlafsack und Ruderer am übernächsten Tag wieder wohlauf sind. Das Frühstücksbüffet war erstklassig, abgesehen davon, dass es an einem 2m ('m' steht für Millionen Lichtjahre) entfernten Tisch aufgebaut war. Auf der Dahme ruderten die Merseburger vorbei, die wir schon gestern auf dem Langen See getroffen hatten.
Nachdem Gaby, Harry und Meister Senkel mit einem Zweier von Friedel Krüger zum Gutenmorgensagen vorbeigeschaut hatten (sie wollten in Richtung Storkow rudern) stachen auch wir in See und stellten überrascht fest, dass der Wind nicht wie üblich gedreht hatte, sondern uns tatsächlich schob. Also genossen wir einzeln und in Pärchen rudernd die Landschaft und holten ungefähr bei Dahme-km 20 die am frühen Morgen verpasste Zahnhygiene nach; nur 1 kleines Waschbecken für 10 Personen hätte sowieso nur unnötige Leerlaufzeiten bei den Ruderrecken erzeugt. In Zernsdorf legten wir die übliche und notwendige Pause ein und in Königs-Wusterhausen wurden wir heute sogar geschleust.
Beim ESV Schmöckwitz wurde ich dann samt dem Gepäck aus dem Boot geworfen und fuhr als Landdienst zum RV Energie, wobei der eingangs erwähnte Polo so mit "Säcken und Päcken" vollgestopft war, dass er stoßdämpferbedingt aussah, als wolle er abheben. Die "Berlin" fuhr währenddessen als Vierer-ohne mit dem "kurzen" Basti als Bugmann und erreichte Köpenick sogar als erstes Boot.
Auch die Rückfahrt zu Dresdenia mit beiden Autos (Herr Diemer war rechtzeitig wieder mit dem Kleinbus angereist) verlief ohne weitere Zwischenfälle.
Bericht von Dennis
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