Rudern @ Dresdenia Berlin
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Mit dem Satz "Ich will dieses Jahr unbedingt noch zur Bleilochtalsperre!" fing alles an. Dennis war vor fünf Jahren schon einmal vor Ort und wollte uns dies nicht vorenthalten. Von seinen Schwärmereien angesteckt, schrieb ich mich gleich als Erste in seinen vielversprechenden Aushang mit Bild ein. Weitere Ruderkameraden folgten sogleich.
So stiegen wir am Freitagnachmittag gemeinsam mit Franziska, Christian S., Fabian, Felix, Julius und Pünktchen in den gemieteten Neunsitzer und brausten davon.
Am späten Abend erreichten wir den Lobensteiner Ruderverein im Dunkeln, auch wenn ich die Einfahrt "direkt hinter der Brücke" beim ersten Passieren verpasste. Nachdem ich aber dann irgendwann den Schlüssel vom Ruderverein fand, hatte ich den Eindruck, dass mir stillschweigend verziehen wurde....
Beeindruckt vom Komfort des Bootshauses, suchten wir uns eine Schlafgelegenheit aus, in diesem Fall waren es Doppelstockbetten, und machten uns danach sofort auf den Weg nach draußen, wo einige von uns meinten, das Wasser sehen zu können. Mir persönlich war es zu dunkel und auch ein wenig unbehaglich, mich auch nur einen Meter von der großzügigen Terrasse fortzubewegen, zumal irgendwo in der Dunkelheit unbekannte Taschenlampen wirr umher schwenkten. So blieb ich auf den Holzbänken sitzen, wo nach und nach der Großteil der anderen eintrudelte. Der andere Teil war nicht verschollen, sondern hielt sich in den Innenräumen auf. Ein, zwei Stunden konnten wir problemlos draußen im Niemandsland verbringen, bevor uns die Kälte und auch die Müdigkeit ins Haus trieben.
Am nächsten Morgen war mein erster Gang nach draußen, meine Neugierde war größer als der Druck meiner Blase. Ich wurde gleich mit dem ersten Schritt aus der Tür belohnt: Dieses Panorama war beeindruckend! Um mich herum waren mit herbstlichem Mischwald überzogene Hänge und zu meinen Füßen plätscherte das Niedrigwasser an mir vorbei. Die Ufer ragten mindestens drei bis vier Meter höher als sonst aus dem Wasser. Dieses beruht auf der Tatsache, dass die Talsperre auf Schäden untersucht und deshalb das Wasser abgelassen wurde. Dieses Ereignis miterleben zu dürfen, machte sich auf unseren Rudertouren mehrmals positiv bemerkbar. Beeindruckt von der wunderschönen Natur machten wir uns an das üppige Frühstück mit "Samstagsei" und Obst.
Die Boote ins Wasser zu lassen erwies sich als abenteuerlich und nicht so bequem und unkompliziert wie zu Hause. Nachdem Dennis von einem ortsansässigen Ruderkameraden in die Details eingewiesen wurde, machten wir uns auf einen kurzen Spaziergang in Richtung Boothaus II. Dort wartete der Zweier auf uns, zunächst mussten wir aber zwei "Hindernisse" überwinden. Aus dem Ort hatten sich Jung und Alt zum Frühsport auf dem "Bootsplatz" II (in diesem Fall eine kleine Wiese) versammelt. Während diese fröhlich Fangen spielten und sonstige Aufwärmübungen betrieben, wagten wir es nur zaghaft, die Gemeinschaft zu stören. Mit festem Ziel vor Augen schoben wir das zweite Hindernis, einen Hänger, schnell aus der Bootshalle raus. Den Kahn fest in den Händen, stiegen wir den ungefähr 35° steilen Hang hinab, wo die Träger am Heck die erste Bekanntschaft mit dem auftretenden Schlamm machen durften. Einige hatten ausgeliehene Gummistiefel an, andere waren barfuss und wiederum andere hatten ihre eigenen Schuhe an... Im Schlamm hängen geblieben ist dabei sicherlich jeder ein Mal. Den Zweier sicher ins Wasser gebracht, war der Vierer an der Reihe. Zuvor bauten wir den provisorisch vorhandenen "Steg" für unsere Bedürfnisse um. Dies war auch bitter nötig, da dieser vorher nicht an das Wasser reichte. Hierzu sei gesagt, dass wir die Erlaubnis dazu hatten und nichts Ungebetenes taten. Den Vierer holten wir aus der großen Bootshalle, wo wir über angebrachte Schilder wie "Sauf Service" stolperten (Wer Französisch kann, weiß, dass dieses nicht die Bedeutung hat, die jeder zunächst vermutet). Mit einem Schmunzeln auf den Lippen machten wir uns an das Boot und suchten halbwegs passende Skulls zusammen. Die hölzerne Bootshalle musste zunächst durch eine Tür am einen Ende betreten werden. Danach konnte erst das Tor durch hochheben eines Riegels geöffnet werden. Einfaches Prinzip, aber wirksam.
In den Booten Platz genommen, machten wir uns frohen Mutes auf den Weg zur berüchtigten Bleilochtalsperre, die 16 Kilometer weiter auf uns wartete. Der eine oder andere mag Probleme mit der Rollbahn, den Skulls (die sich weit überkreuzten) oder mit der Schwerfälligkeit des Bootes gehabt haben, aber diese wurden durch die Eindrücke um uns herum und das wahnsinnig schöne T-Shirt-Wetter schnell getilgt. Weit und breit waren kein Lärm und keine Lastkähne, nur ein wenig Gegenverkehr in Form von Motor- und Ruderbooten, die Natur und Spaziergänger.
Einige Rätsel später, die Franzi Felix und mir stellte, und die unser Steuermann Pünktchen schon kannte und unser Schlagmann Dennis, rein akustisch vermutlich nicht verstanden hat, kamen wir an der Bleilochtalsperre an. Die "bleierne Ente", Zitat von Christian S., kam mit ihm, Julius und Fabian hinterher. Die Armen mussten wirklich hart schruppen, um ans gewünschte Ziel zu gelangen. Satt gesehen von der im Nachhinein eher klein wirkenden Talsperre, suchten wir uns einen schönen Rastplatz. Diesen fanden wir ein Stückchen weiter. Auch hier hieß es: Gummistiefel anziehen oder Schuhe ausziehen. Ich entschied mich für letzteres und stapfte durch den Schlamm, eine Kneipp-Kur ist vermutlich nichts dagegen.
Ausgeruht und mit leeren Vorräten ruderten wir gen Gastgeberverein, wo wir unser Duschwasser zunächst mit Hilfe eines Ofens vorheizen mussten. In der Zeit des Vorheizens begnügten wir uns vielseitig. Die Jugend spielte mit Dennis "Kubb", ein schwedisches Holzspiel, Franzi strickte Socken, Christian S. überwachte den Ofen und ich trug uns in das Gästebuch ein. Frisch geduscht gab es abends den berühmten Feuertopf, dieses Mal allerdings mit Reis verfeinert, um die hungrigen Mägen zu stopfen. Das erwartete Pfurzkonzert traf nicht ein und so fand jeder seinen wohl verdienten Schlaf.
Nach den üblichen Aufwachschwierigkeiten von Pünktchen und unserem gemeinsamen Frühstück führte uns der Weg wieder in die Boote. Dieses Mal allerdings in einer anderen Besetzung und in eine andere Richtung. Die übel riechende Entengrütze am Steg hinter uns lassend ruderten wir zum Zufluss des Stausees. Hier wurde es immer aufregender, da das Wasser zunehmend flacher wurde und die Ufer zusehend näher auf uns zukamen. Irgendwann war aber auch für uns Schluss. Der Paddelhaken ragte fast komplett aus dem Wasser, als wir spaßeshalber eine Messung durchführten. Hinter uns sahen wir den brausenden Zufluss, der bei Normalstand unter der Wasseroberfläche liegt. Gestärkt durch das "Fass ohne Boden", eine erlesene Auswahl an Gummitierchen aus Franzis Tupperware-Box, ging es wieder vorsichtig zurück. Sowohl die Boote als auch das Vereinshaus wurden sorgfältig gereinigt.
Auf der Rückfahrt schlüpften wir in Kutten und erforschten die Feengrotte in Saalfeld. Unser Guide führte uns gemeinsam mit anderen Kuttenträgern in die dunklen Gefilde, wo uns wunderschöne Tropfsteine mit Musikuntermalung erwarteten. Nach unserem unterirdischen Rundgang wurde uns ein Glücksstein geschenkt und angeboten, das Wasser aus den örtlichen Quellen zu trinken. Mein Geschmack was das nicht...
Die Fahrt nach Hause war, wie die Hinfahrt, von Musik und Gelächter bestimmt. Nach und nach setzten wir unsere Ruderkameraden ab und jeder verabschiedete sich mit einem Lächeln auf den Lippen. Ich denke, ich spreche im Namen aller Teilnehmer, wenn ich behaupte, dass dies wohl die schönste Wanderfahrt seit langem war.
Jedem, der nicht dabei sein konnte, sei geraten, diese Fahrt schnellstens nachzuholen. So etwas schönes bekommt man nicht alle Tage geboten!
Im Namen aller Teilnehmer danken wir Dir, Dennis, für diese rundum gelungene Fahrt!
Anja Poppe
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